NZZ 18. November 1961: Die Konzilvorbereitungen in Rom
«I. C. Die Zentralkommission für die Vorbereitung des zweiten Konzils des Vatikans hält gegenwärtig ihre zweite Tagung ab. Bischöfe, Erzbischöfe, Patriarchen, Vorsteher religiöser Orden, Kongregationen der römischen Kurie, katholische Institute und Universitäten und angesehene Theologen haben ihr an die 10 000 für Reformen und Aenderungen verschiedener Art zugestellt. Dieses ganze Material muss, nachdem es von den zwölf Sonderkommissionen behandelt und begutachtet worden ist, von der Zentralkommission geprüft werden, die unter dem Vorsitz des Papstes steht. Der Papst entscheidet in letzter Instanz, ob ein Problem auf die Tagesordnung des Konzils gesetzt wird oder nicht.Die Verhandlungen sind streng geheim, doch sickern Indiskretionen über ihren Verlauf durch. Man weiss, daß die Zentralkommission sich unter anderem bereits mit der Frage beschäftigt hat, ob Beobachter nichtkatholischer christlicher Kirchen zu dem Konzil eingeladen werden sollen. Die Kardinäle Agostino Bea und Amleto Cicognani treten entschieden für die Einladung solcher Beobachter ein; Kardinal Ottaviani dagegen widersetzt sich ihr mit Nachdruck. […] Die Anwesenheit von ‹Brüdern, die sich von uns getrennt haben›, würde einen störenden Einfluss auf die Verhandlungen ausüben. Trotz aller seiner Beredsamkeit stimmte die Mehrheit der Mitglieder der Zentralkommission für die Entsendung von Einladungen. […]Gewisse Reformvorschläge, mit denen die Zentralkommission sich zu befassen haben wird, werden, wie die gleichen römischen Kreise sagen, Veranlassung zu lebhafter Auseinandersetzung geben. Es ist daran zu erinnern, dass innerhalb der römischen Kurie nach wie vor zwei Richtungen einander gegenüberstehen: Eine statische, konservative, die grundsätzlich jede Aenderung ablehnt, und eine andere, die eine Anpassung der Methoden der Kirche an die neue Zeit befürwortet.»(NZZ, 18. November 1961: Die Konzilvorbereitungen in Rom; ufw)
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