Markus Baumgartner

Nonne setzt sich aktiv gegen Hexenjagd ein

Nicht nur im Mittelalter: Auch in der heutigen Zeit gibt es Hexenverfolgungen und sogar Verbrennungen von Frauen – zum Beispiel in Papua Neuguinea. Dagegen setzt sich die Schweizer Ordensschwester Lorena Jenal als Nonne, Entwicklungshelferin und Kämpferin für Frauen ein. Sie ist dafür mit dem Weimarer Menschenrechtspreis ausgezeichnet worden.

In der Schweiz wurde 1734 in Europa als letztem Staat eine Frau wegen angeblicher Hexerei getötet. Im südwestlichen Pazifik in Papa Guinea ist das noch heute der Fall. Dort ist die heute 71-jährige Schwester Lorena Jenal seit 1979 im Hochland als Missionarin aktiv. Sie ist in den Samnauner Bergen in der Schweiz aufgewachsen und 1973 dem Orden der Baldegger-Schwestern beigetreten, einer franziskanischen Gemeinschaft. In Papua-Neuguinea unterstützt sie Familien, die von Ungerechtigkeit und Gewalt betroffen sind. »Ich habe mich vor 40 Jahren in Papua Neuguinea verliebt. In die Menschen. Und wer liebt, kriegt Kraft», erklärt Lorena Jenal gegenüber SRF

Beendigung des Hexenwahns 

Papua Neuguinea zählt zusammen mit weiteren 31 Ländern auf der Welt zu jenen Nationen, in denen es noch Verfolgungen angeblicher «Hexen» gibt. Und zwar auf eine Art und Weise, wie man es sich für das europäische Mittelalter vorstellt. Vor allem junge Frauen werden verfolgt; es werde ihnen vorgeworfen, irgendwelche magischen Rituale und Kulte ausgeführt zu haben. Die der Hexerei bezichtigten Frauen in Papua Neuguinea werden gefoltert und sogar bei lebendigem Leibe verbrannt.

Bisher 90 Leben gerettet

Mit Rettungsprogrammen, Aufklärungsmassnahmen und ihrem mutigen Einsatz kämpft sie unermüdlich gegen Menschenrechtsverletzungen, unter anderem gegen die brutale Welle der Hexenverfolgung – die heute noch grösste und tragischste Ungerechtigkeit. Seit 2016 ist sie voll und ganz mit der Beendigung des Hexenwahns beschäftigt. Sie konnte bisher 90 Frauen das Leben retten. Viele von ihnen konnte sie wieder zurück in ihre Gemeinschaft und Familien integrieren und begleitet sie bis zum heutigen Tag weiter. Da spielt es eine Rolle, dass sie als Ordensfrau tätig ist. Sie wird auch dank ihrem Habit von den Stammesführern und «Kriegern» respektiert.

Frauen geht es wieder gut

Mit ihrem Wirken will Schwester Lorena als christliche Missionarin für das Leben eines jeden Menschen und für Gerechtigkeit einstehen. Sie bezeichnet Jesus Christus als die grosse Liebe und Befreiung ihres Lebens, wie sie »Radio Life Channel« sagte. Sie freut sich darüber, dass sie vielen Frauen helfen konnte: »Einigen von mir geretteten Frauen geht es wieder sehr gut, und sie haben auch ihre Eigenständigkeit und ihr Ansehen wiedererlangt. Sie haben auch in der Kirche ihr Ansehen gewonnen, und sind heute sehr hilfsbereite Menschen geworden», erklärt sie gegenüber Vatican News. Die meisten der befreiten Frauen unterstützen Schwester Lorena jetzt bei ihrer Arbeit, um weitere verfolgte Frauen zu retten. Doch nicht immer kann Schwester Lorena die grausamen Praktiken abwenden.

In die Moderne katapultiert

Die Schweizer Ordensfrau vermutet, dass der Sprung in die Moderne die Menschen in Papua Neuguinea überfordert und teils auch negativ beeinflusst. «In den vergangenen 40 Jahren haben die Menschen in Papua Neuguinea einen Sprung gemacht, als ob man 900 Jahre der Entwicklungsgeschichte in vier Sekunden gemacht hätte. Niemand kann von einem Tag auf den anderen von der Steinzeit in das modernste technische Zeitalter wechseln. Die Menschen sind schlicht überfordert.» Da bleibe vieles auf der Strecke, und das gelte für viele Kulturen auf der Welt.  Für ihre Arbeit in Papua Neuguinea hat Lorena Jenal den Weimarer Menschenrechtspreis erhalten. Sie widmet ihn den Opfern. »Der Preis soll ein Hoffnungsstein sein für den Bau eines neuen Zentrums», erklärt die Schwester. Dort sollen künftige Opfer Sicherheit finden und sich erholen können.

Bild pd
4. Oktober 2021 | 21:47
von Markus Baumgartner
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