Nochmals: über den Konsum nachdenken; und morgen nix kaufen ....
Hier der zweite Teil des Textes von Franz Hochstrasser zum Kaufnix-Tag vom Samstag (erschienen in Infosperber)
Verzicht stellt Lebensform infrage
«Ohne Wachstum kein Wohlstand», oder «Kein Zurück in die Steinzeit»: Sie sind eine Reaktion auf die Unsicherheit, welche Verzicht auslösen kann, denn er stellt eine ganze Lebensform infrage. Der Kaufnix-Tag tut nichts anderes, als den Leuten eine Gelegenheit zu verschaffen, einmal einen kurzen Kauf- und Konsumverzicht auszuprobieren. Es gibt im Übrigen auch andere Formen solchen Verzicht-Übens, beispielweise das Auto-Fasten während der vorösterlichen Fastenzeit, das man in Österreich kennt; man verzichtet in diesen sieben Wochen soweit es geht auf den Konsum des Automobils. Organisiert wird es vom österreichischen Verein zur Förderung kirchlicher Umweltarbeit. Oder in China gibt es den Tag des Fastens. Die Chinesische Stiftung zur Linderung von Armut zeichnet für die Organisation des Tages. Die Teilnehmenden spenden das durch das eintägige Fasten gesparte Geld an Kinder in Armut. Dieses Jahr sollen 160 Millionen Menschen mitgemacht haben.
Man sollte allerdings den Kaufnix-Tag nicht mit zu heftigen Befürchtungen ersticken. Zwar leben auch in der Schweiz arme Menschen; es sind eine Viertel Million Eltern und Kinder betroffen. All den übrigen geht es recht bis überwältigend gut. Ein Tag Kauf- und Konsumverzicht wird sie ganz sicher nicht beschädigen. Das ist nicht viel angesichts der Prognose, dass wir in den reichen Weltregionen rund 80 Prozent unseres aktuellen Ressourcen-Verbrauchs reduzieren müssen, um die bestehenden ökologischen Probleme annähernd lösen zu können. Der Kaufnix-Tag ist der unspektakuläre Vorschlag, sich dem Verzichtsthema persönlich zu stellen.
Keine rundlegende Veränderung
Man sollte diese Aktion aber auch nicht mit allzu hohen Tönen lobpreisen. Denn erstens ist ein Eintagesverzicht sicher keine grundlegende Änderung des bisher geführten Lebens, und zweitens gibt es die Erfahrung, dass der Lerneffekt vergleichbarer Aktionen eher bescheiden ist. In diesem Zusammenhang wird oft an den Boykott gegen den Ölkonzern Shell erinnert. Er wurde 1995 dadurch ausgelöst, dass Shell den schwimmenden Öltank im Meer versenken wollte. Aktivisten von Greenpeace besetzten die Plattform. Parallel dazu fand an Land ein internationaler Boykott gegen Shell statt, was dem Konzern Umsatzeinbussen von 30 Prozent und mehr bescherte. Allerdings war dies für viele ein Boykott ohne Verzicht, denn sie wichen einfach auf Brennstoffe anderer Konzerne aus. Und so mag es viele Leute geben, die zwar nicht am Kaufnix-Tag, dafür an einem anderen Tag einkaufen gehen.
Die Moral der Geschicht›: Probieren Sie es am Samstag, den 28. November aus, das mit dem eintägigen Verzicht.
Franz Hochstrasser befasst sich seit Mitte der 80er Jahre mit dem Thema Konsumismus und ist Autor des Buches «Konsumismus. Kritik und Perspektiven» (2013). Er war von 1989 bis 2001 Rektor der Fachhochschule für Soziale Arbeit beider Basel und führt heute eine Beratungsfirma im Bildungs- und Sozialbereich.
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