Walter Ludin

Nochmals: Kirche und Politik

Furcht vor dem Wort eines Abteswork, die zeitschrift der gewerkschaft unia, widmete eine titelgeschichte dem politischen Engagement von Abt Martin. Hier ein lesenwerter Auszug:Die Ladenschluss-Stürmer fürchten Werlens Wort. 2002 zerpflückte der Abt in einer «Arena»-Sendung die SVP-Asylinitiative in wenigen Sätzen. Die Schweiz lehnte sie denn auch ab, im konservativ-katholischen Goms, seiner Heimat, gar mit einer Zweidrittelmehrheit. Peter Bodenmann, der ehemalige SP-Präsident, notierte: «Ohne den Oberwalliser Abt von Einsiedeln hätte das Schweizer Volk die Initiative wohl klar angenommen.» 2005 stimmte nur eine sehr knappe Mehrheit für die Sonntagsverkäufe in Bahnhöfen. Bei den 49,4 Prozent, die ablehnten, waren die Nein-Parolen der Gewerkschaften und der Kirche ausschlaggebend. Diese gemeinsame Haltung verhinderte seither die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten in 10 von 11 Urnengängen. So könnte es auch beim Referendum zur Vorlage Lüscher sein. DER ABT TWITTERT Auch einige Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter wunderten sich dieser Tage über das Vorhaben von work, den Kirchenfürsten Werlen auf die Titelseite zu stellen. Das rührt daher, dass sich die Kirche in ihrer Geschichte regelmässig auf die Seite der Reichen und Mächtigen schlug. Zwar sind heute Staat und Kirche getrennt. Aber der alte Konflikt wütet weiter – innerhalb der Kirche. So schickten die Schweizer Bischöfe ihren Kollegen Werlen in Sachen Ladenöffnungszeiten vor. Doch der Churer Generalvikar Martin Grichting schoss quer. Er ist ein Mann des rechten Opus Dei. Als solcher will er eine obrigkeitsgläubige Kirche, die Mitsprache der Gläubigen ist ihm ein Graus.Werlen sagt: «Selbstverständlich ist die Kirche politisch. Gerade bei jenen Fragen, die christliche Grundwerte wie Menschenrechte und die Menschenwürde tangieren, kann die Kirche nicht schweigen.»Ein Linker sei der Abt nicht, weiss auch Unia-Mann Beat Jost. Aber Werlen steht für eine offene Kirche ein, nahe an der Lebenswirklichkeit der Menschen.

24. Januar 2013 | 01:38
von Walter Ludin
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