Walter Ludin

Nochmals: Israel boykottieren?

Der Vorschlag eines Rabbis
Der israelische Rabbi Jeremy Milgrom ruft wie die Christen Palästinas zum Boykott von Waren aus Israel auf. (Vgl. dazu unsern Blog vom 3. Februar; erstaunlicherweise gab es hier dazu keine Reaktionen.) Das wichtigste Problem heute ist die Gleichgültigkeit der Europäischen Gemeinschaft gegenüber israelischen Menschenrechtsverletzungen und Israels fortgesetzter Besetzung und Besiedlung des Westjordanlandes und der Belagerung Gazas. Meiner Meinung nach ist das Beste, was Europäerinnen diesbezüglich tun können, das Bewusstmachen dieser Situation (nach Palästina zu kommen und z. B. an Protesten teilzunehmen, also Solidarität zu zeigen, ist fein, aber teurer und bei weitem nicht so wirkungsvoll).
Die kritische Frage, die auf der Tagesordnung steht, ist BDS (Boykott, Divestment/Rückzug von Investitionen und Sanktionen). Worte, Proteste und Petitionen nützen nichts mehr – die israelische Regierung fährt gut mit ihrer eigenen Propaganda, da europäische Medien generell der israelischen Öffentlichkeitsarbeit folgen. Aber die israelische Regierung und der etablierte Zionismus sind wie erstarrt vor BDS, weil diese zum Fall des südafrikanischen Apartheidregimes führten. Dieser Kampf wird nicht einfach, besonders wegen der Erinnerung an «Kauf nicht bei Juden» aus NS-Zeiten, aber genau das ist die Herausforderung: Wie kann man eine effektive Kampagne führen ohne als antisemitisch betrach¬tet zu werden?In Hinblick auf die Rabbinerlnnen für Menschenrechte, so unterstützen und organisieren diese gewisse gewaltfreie Friedensinitiativen, wie z. B. die Olivenernte und den Versuch der Verhinderung der Zerstörung oder Zwangsräumung palästinensischer Häuser in Ostjerusalem. Obwohl positiv, sind solche Aktivitäten doch eine Ablenkung vom dringlichsten Thema, dem oben erwähnten BDS.
Quelle: Spinnrad, Zeitschrift des Internationalen Versöhungsbundes, Österreichischer Zweig.

11. Februar 2010 | 01:40
von Walter Ludin
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