Niklaus von Flüe und der Stand Luzern
Der Obwaldner Niklaus von Flüe hatte zum Stand Luzern eine besondere Beziehung. Das ist nicht selbstverständlich, weil das Paktieren Luzerns mit Bern und mit den anderen Städten im noch losen und komplizierten eidgenössischen Bündnissystem den Unwillen der Länderorte erregte und zum langwierigen Burgrechtsstreit führte. Dieser für die Eidgenossenschaft sehr bedrohliche Streit konnte erst 1481 mit dem Stanser Verkommnis gelöst werden. Nach dem Abschluss dieses ersten gesamteidgenössischen Vertrags, der zweifellos dem inhaltlich unbekannten, aber mässigenden Rat des Ranfteremiten zu verdanken ist, nahm Luzern vermehrt auf die Innerschweizer Länderorte Rücksicht.
Aus dem Quellenwerk Robert Durrers ergeben sich folgende Luzerner Bezüge. 1474 suchte der Pfarrer von Horw für den schwermütigen Luzerner Schultheiss Heinrich von Hunwil beim Ranfteremiten Rat. 1477 zog der Kirchherr von Horw für ein Jahr als Kaplan in den Ranft. Der Amtsnachbar des Horwer Geistlichen in Kriens war damals Heimo am Grund, ein Luzerner Bürger, der ein halbes Jahr vor dem Abschluss des Stanser Verkommnisses – in Stans abgeschlossen! – Pfarrer von Stans wurde und der geistliche Berater von Niklaus von Flüe war.
Für 1478 sind im Rahmen des Burgrechtshandels erstmals mehrere Gesandtschaften des Luzerner Rats zum Ranfteremiten überliefert, was belegt, dass ein Vertrauensverhältnis zwischen Niklaus von Flüe und der Luzerner Regierung bestand. Diese wichtige Beziehung zwischen dem Ranfteremiten und Luzern dürfte eine grundlegende Voraussetzung für das Zustandekommen der Einigung von 1481 gewesen sein. Es ist kein Zufall, dass für das Jahr 1481 wieder mehrere Luzerner Delegationen in den Ranft belegt sind, wobei der Luzerner Rat im Sommer dieses geschichtsträchtigen Jahres dem Ranfteremiten einen Rock schenkte. Luzern sah in Niklaus von Flüe nicht einen Interessenvertreter der Innerschweizer Länderorte, sondern den Friedensmann.
Luzern kooperierte seit 1482 mit Obwalden, um Bruder Klaus gegen ungebetene Besucher abzuschirmen. Nach dem Hinschied des Ranfteremiten am 21. März 1487 liess Luzern aus Dankbarkeit gegenüber dem Verstorbenen in der Hofkirche und in der Peterskapelle die Sterbeglocke läuten und schickte eine Ratsdeputation nach Obwalden, um das Beileid auszusprechen. Der Bruderklausenaltar in der Luzerner Jesuitenkirche erinnert uns bis heute an die engen Beziehungen Luzerns zum Ranfteremiten.
Urban Fink, Inländische Mission
Literatur: Durrer (1917–1921), 75 f., 102–104,108–110, 115–170, 203 f., 394 f.; Gröbli (1990), 145, 147–152 (S. 145 mit einer interessanten Auflistung der offiziellen und privaten Gesandtschaften zu Bruder Klaus)
Hinweis: Am Donnerstag, 6. Juli 2017, macht das mobilen Erlebnis «Niklaus von Flüe – Unterwegs» auf dem Platz vor der Jesuitenkirche in Luzern Halt.
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