Bruder Klaus und Gefährten

Niklaus von Flüe als Soldat

Niklaus von Flüe als wackerer Soldat hat sich fest in das Schweizer Kollektivgedächtnis eingegraben: Aber dieses Bild von ihm als Soldat ist historisch kaum greifbar, es wurde also mehr vom Wunsch als von der kaum eruierbaren Wirklichkeit geprägt und fromm aufgeladen: Niklaus gilt als Verteidiger des Vaterlandes, der sich von Beute und Gräueln fernhielt und die Menschen, insbesondere die Schwestern des Klosters Diessenhofen, beschützt haben soll. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg diente er als Vater des Vaterlandes unter solchen Voraussetzungen besonders in der Funktion als Soldat; er war, wie obenstehend schön abgebildet, Zufluchtsort und Vorbild für all die Soldaten, die im Felde standen.

Pirmin Meier entwirft in seinem Standardwerk ein weit nüchternes Bild von Niklaus von Flüe als Soldat: Das Kriegshandwerk gehörte im 15. Jahrhundert zu einem Ehrenmann, wie Niklaus es war, aber nicht jeder Krieger war ein Ehrenmann. Niklaus war also kriegserfahren, und zwar in einem Umfeld, wo die damaligen Eidgenossen brutale Offensiv- und Beutezüge führten. Niklaus war aber nicht feldsüchtig, wie Kameraden übereinstimmend bezeugen. Aber er war ein Stück weit Reisläufer, sicher auch aus wirtschaftlichen Gründen, wo Eroberungen und Plünderungen eben fast natürlich dazugehörten.

Als Hauptmann stand er dabei nicht einer beträchtlichen Zahl Soldaten vor, wie das heute in einer wohlgeordneten und wenigstens auf dem Papier gut organisierten Armee der Fall ist, sondern er handelte als weitgehend freier Unternehmer, der einige Kameraden um sich geschart hat und diese mit einer natürlichen Autorität führte. Die Kriegsführung der Eidgenossen galt als äusserst gewalttätig und brutal, und der Tod war ein so enger Begleiter, wie wir uns das heute kaum mehr vorstellen können.

In einem solchen auch für Niklaus von Flüe als normal geltendem Umfeld unterschied er sich dadurch von andern, dass er die Feinde möglichst wenig beschädigte und schonte, Gerechtigkeit suchte und sich offenbar zeitweise auch zurückzog. Er war jedoch sicher kein Pazifist im heutigen Sinne, und Kriegsführung hatte etwas Ungeordnetes, Brutales und Anarchisches an sich, dem sich Niklaus von Flüe nicht einfach entziehen konnte.

Sicher ist, dass sich der Eremit Bruder Klaus später gegen die Reisläuferei aussprach, weshalb er Jahrzehnte später bei den Züricher Reformierten auf grossen Zuspruch stiess. Bruder Klaus kam erst einige Jahre später zu dieser Erkenntnis, nun unter den noch gewaltigeren Eindrücken der noch weit gewaltbereiteren Eidgenossen in den noch brutaleren und durch Gier gekennzeichneten Burgunderkriegen.

Urban Fink-Wagner, Inländische Mission

Literatur: Meier (1995), 58–80.

Bruder Klaus als Vorbild und Zuflucht für die Schweiz während den beiden Weltkriegen. (Foto: Bruderklaus-Karte, gerichtet an den späteren Vatikandiplomaten Bruno Heim, der im Zweiten Weltkrieg als Seelsorger für italienische Internierte tätig war: Privatarchiv BBH)
10. März 2017 | 00:09
von Bruder Klaus und Gefährten
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