Konzilsblogteam

Nicht «Quellen der Offenbarung», sondern «die Offenbarung selbst»

Das erste Schema über die göttliche Offenbarung, das den Konzilsvätern als Diskussionsgrundlage ausgeteilt worden war, datierte vom 10. November 1961 und trug den Titel «Die Quellen der Offenbarung». Bereits der Titel macht deutlich, was die Stossrichtung sein sollte: in einem gegenreformatorischen Geist gegenüber der Heiligen Schrift die Tradition und das Lehramt der Kirche zur Geltung zu bringen. Zwischen diesem ersten Entwurf und der schliesslich vom Konzil verabschiedeten Offenbarungskonstitution liegen Welten. Der entscheidende redaktionelle Schritt lag darin, dass das ursprüngliche Vorwort zu einem eigenen entscheidenden ersten Grundsatzkapitel «Über die Offenbarung selbst» ausgebaut wurde. Damit zieht sich ein roter Faden durch die grundlegenden Dokumente des Konzils, die inhaltlich alle einen Bezug zueinander haben: Wie sich Gott dem Menschen erschliesst und an ihm handelt, so ist es die Aufgabe der Kirche, sich zum Heil der Menschen einzusetzen. Der sich dem Menschen offenbarende Gott vermittelt nicht Wahrheiten und Lehrsätze, sondern er teilt sein eigenes Geheimnis mit.
Der Konzilstheologe Otto Semmelroth schrieb dazu in sein Tagebuch: «Vormittags war Sitzung der gesamten Subkommission. Es sollen nun die Ergebnisse der beiden Sektionen besprochen werden. Zunächst kamen Prooemium, erstes und zweites Kapitel dran, das die erste Sektion bearbeitet hat. Hier ist sehr Gutes geleistet worden. Es gibt jetzt ein Kapitel über die Revelatio – sie war früher Prooemium, ist jetzt ein eigenes Kapitel. Und dann ein eigenes Kapitel über die Weitergabe der Revelatio, wo dann eines über Schrift und eines über Tradition steht und das Verhältnis beider zueinander in einer beide Seiten offen lassenden Weise besprochen ist. Nachmittags musste unsere Sektion früher kommen und zuerst noch einen Rest der eigenen Texte besprechen. Nachher kam die ganze Subkommission zusammen, und schliesslich musste unsere Sektion noch länger da bleiben, um das fünfte Kapitel – es ist jetzt das sechste geworden – vorläufig durchzusprechen. Nach den Sitzungen nimmt mich jetzt oft Bischof Pelletier von Kanada mit bis zum Quirinal, von wo ich dann schnell im Germanikum bin. Das ist mir noch nicht passiert, einen Bischof zum Chauffeur zu haben.»
(Hanjo Sauer)

25. April 2014 | 00:03
von Konzilsblogteam
Lesezeit : ca. 1  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!