Nicht nur die Schweizer Kultur ist gut.... zum Mediensonntag
Erlauben Sie mir, heute eine Predigt zu halten, die etwas anders wird als gewohnt. Als Thema habe ich den heutigen Mediensonntag gewählt. Bekanntlich lädt dieser jedes Jahr dazu ein, über unser Verhalten zu den Massenmedien nachzudenken. Dabei möchte ich nicht bloss eigene Gedanken vortragen, obwohl mir dies nicht schwer fallen würde, da ich in Jüngern Jahren Journalismus und Medienwissenschaft studiert habe.
Ich nehme als Ausgangspunkt die Botschaft von Papst Franziskus zu diesem Mediensonntag. Wie alles, das von ihm kommt, sind auch hier seine Worte sehr lebensnah. (Zwischenbemerkung für den Blog:Die Ausführungen über die Solidarität im globalen Dorf überspringe ich hier.)
Papst Franziskus nennt das Stichwort «Gute Kommunikation». Ich interpretiere ihn sicher nicht falsch, wenn ich hier nicht nur die mediale Kommunikation verstehe, sondern auch – mit einem Fachbegriff – die face to face-Kommunikation; also jene von Angesicht zu Angesicht. Das folgende Zitat betrifft sicher beide Formen: «Gute Kommunikation hilft uns, einander näher zu sein und uns untereinander besser kennenzulernen, in grösserer Einheit miteinander zu leben. Die Mauern, die uns trennen, können nur dann überwunden werden, wenn wir bereit sind, uns gegenseitig zuzuhören und voneinander zu lernen.»
Diese Worte tönen gut. Sie drücken die wichtige Einsicht aus: Nur wenn wir aufeinander hören, können wir in Frieden miteinander leben. Doch sind wir dazu fähig, aufeinander zu hören?
Mit Bruder Thomas, unserem früheren Klosterkoch, habe ich oft ein kleines Spielchen gespielt. Wenn ich in die Küche kam, hat er mich gefragt, wie es mir gehe. Jedes Mal antwortete ich: «Schlecht.» Und erwiderte: «Gell, das ist die Hauptsache.» Das wir ja nur ein Spiel. Aber wie oft ist es ernst: Wir sagen etwas und mein Gegenüber hört gar nicht und fängt mit etwas ganz anderem an.
Mein Vorschlag: Achten Sie einmal ganz gezielt darauf, ob Ihre alltägliche Kommunikation nach diesem Schema abläuft: Jede/r spricht; niemand geht darauf ein.
Weiter im Text von Papst Franziskus: «Wir müssen die Differenzen beilegen durch Formen des Dialogs, die es uns erlauben, an Verständnis und Respekt zu wachsen.»
Frage: Wo bleibt dieser Dialog, zum Beispiel im kirchlichen Leben? Sind wir bereit, ohne Vorurteile aufeinander einzugehen?
Vor Jahren habe ich eine schlimme Erfahrung gemacht. In der Schweizerischen Kirchenzeitung veröffentlichte ich einen Kommentar mit dem Titel: «Innerkirchlicher Dialog: wichtig, aber unmöglich?» Der Redaktor erzählte mir, ein Leser habe im telefoniert und protestiert. Es zeigte sich, dass er nur die Überschrift und dann unter dem Artikel meinen Namen gelesen hatte, der für ihn ein Rotes Tuch war. Damit hatte er den Beweis geliefert, dass der innerkirchliche Dialog oft verweigert wird.
Eine dritte Stelle aus dem päpstlichen Schreiben zum Mediensonntag lautet: «Die Kultur der Begegnung macht es erforderlich, dass wir bereit sind, nicht nur zu geben, sondern auch von den anderen zu empfangen.» Der Papst fügt hinzu, die Medien könnten uns dabei helfen. Auf der folgenden Seite seiner Botschaft meint er: «Wenn wir wirklich den anderen zuhören möchten, dann werden wir lernen, die Welt mit anderen Augen zu sehen, dann werden wir die Erfahrung der Menschen, wie sie sich in den verschiedenen Kulturen und Traditionen zeigt, schätzen lernen.»
Damit sind wir bei einem heissen Eisen: Vor allem unter dem Einfluss gewisser Politiker sehen wir heute in der Schweiz in den «verschiedenen Kulturen und Traditionen» eine Bedrohung; eine Gefahr für unsere Eigenart. Wir essen zwar gern etwas Exotisches, wir trinken Wein vom andern Ende der Welt. Aber wenn es um kulturelle Eigenschaften und Eigenarten geht, möchten wir, dass alle Menschen so denken und fühlen wie wir Schweizer.
Dabei verarmen wir. oder wie mein Freund Leo Karrer, der ehemalige Professor für Pastoraltheologie in Freiburg, es wohl drastisch ausdrücken würde: Wir «verdummen». Oder weniger krass ausgedrückt: Wir sind blind für die Buntheit der Welt, indem wir nur unsere eigene Farbe sehen.
Wir könnten noch stundenlang das päpstliche Schreiben miteinander anschauen. Aber ich möchte Sie nicht verhungern lassen. Darum zum Schluss nur noch ein Zitat, das das Ganze zusammenfasst und für alle Formen des Gesprächs gilt, das mediale und das direkte: «Miteinander in Dialog treten heisst überzeugt sein, dass der andere etwas Gutes zu sagen hat, heisst seinem Gesichtspunkt, seinen Vorschlägen Raum geben. Miteinander in Dialog treten heisst nicht, auf die eigenen Vorstellungen und Traditionen verzichten, sondern auf den Anspruch, dass sie die einzigen und absolut seien.»
Kloster Gerlisberg, Luzern So 10 Uhr
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