Neurosen und Glaube; Und: Warum hat das Christentum sich ausgebreitet?
«Nicht die Gottesvorstellung macht die Menschen krank, sondern neurotische Menschen suchen sich selbst ein krankes Gottesbild?» Erstaunlich, dass der Psychoanalytiker Tilmann Moser in einem Interview mit Publik-Forum diese Frage bejahte. Denn er ist der Autor des provokativen Buches die «Gottesvergiftung» aus den 1970er-Jahren.
Doch immer noch weit verbreitet ist die These, dass der Glaube «neurotisch» macht, weil so viele neurotische Menschen gläubig sind. Schon vor fast 40 Jahren traf ich in Rom am Rande eine Bischofssynode einen namhaften italienischen Psychologen an, der wie Moser nachwies, dass am Anfang die Neurose stand …
Jesu Weltbewegung
Im erwähnten Interview sagte Tilmann Moser zur Frage nach der Attraktivität des Christentums:
«Das Christentum bleibt auch für mich ein Rätsel. Ich frage mich, wie es kommt, dass dieser geschichtliche Jesus mit seinen paar Leuten zu einer Weltbewegung geworden ist. Und warum auch heute noch so viele kluge Menschen an der Kirche hängen. Wie kommt es zu der Wirkung dieser Idee? Hängt das mit der Krise des Römischen Reiches zusammen? Mit den grossen sozialen Problemen damals? Dass er ein Prophet der Armen war? Und wieso ist daraus eine reiche, protzende Weltkirche geworden? Das ist ein historisches Rätsel, auf das ich keine Antwort habe.»
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