Walter Ludin

Nachwuchsmangel u.ä.: Wenn der Schein trügt

Soozialpsychologisches

Wie manche Leute wissen ganz genau, warum Priestermangel/Nachwuchsmangel in den Orden und dergleichen gibt! Bei näherem Zusehen zeigt es sich: Sie erliegen einem Trugschluss.
Unter den Büchern, die ich nochmals in die Hände nehme, bevor ich sie weiterhin aufbewahre oder wegschmeisse, ist: «Sozialpsychologie» von J. P. Forgas (1987). An manchen Stellen muss ich an kirchliche Zustände denken:
Viele Ursachen: z.B. beim Nachwuchsmangel
Manche Leute meinen ganz genau zu wissen, warum es weniger Neupriester gibt oder warum bei den Orden Nachwuchsmangel herrscht. «Weil die Priester zu wenig beten – weil die Kapuziner die Kutte nicht mehr tragen; oder weil es linke kirchenkritische Brüder gibt.»
Doch dazu der Sozialpsychologe: «Die ganze Vorstellung einer Hauptursache ist suspekt. Denn jede menschliche Handlung ist das Ergebnis einer langen Kette kausaler Ereignisse. Aus so einer Ereigniskette eine einzige ‹Ursache› als wahre Erklärung herauszugreifen, ist unmöglich und muss reine Willkür bleiben.»
Der Storch und die Geburtenzahlen
Der Beweis ist erbracht, dass der Storch die Kinder bringt. Denn in Schweden nahm die Zahl der Störche in einem bestimmten Zeitraum um 50 Prozent ab. Zur gleichen Zeit kamen genau 50 Prozent weniger Kinder auf die Welt. Na ja, was hier offensichtlich unsinnig erscheint, ist andernorts für viele sehr einleuchtend. Zum Beispiel: Seit  dem Konzil gehen weniger Katholiken in die Kirche. Also ….
In der sozialpsychologischen Sprache des vorliegenden Buches: «Die Tendenz zur Kausalität kann unsere Attributionen erheblich verzerren und uns Ursachen und Intentionen erkennen lassen, wo zwischen Aktion und ihren Folgen nur ein zufälliger zeitlich-räumlicher Zusammenhang besteht.»

20. Mai 2013 | 01:36
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 1  Min.
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