Heinz Angehrn

Nachtrag zu Outing I

Wem Küng und Wittgenstein eine zu «einseitige» Mixtur scheinen, der möge folgenden Text beachten:
«Wenn wir ehrlich sind, werden wir Menschen von heute zugeben, dass uns die Lehre von der Menschwerdung Gottes zunächst einmal wie bare Mythologie klingt, die nicht mehr ‘realisiert’ werden kann. Wenn wir aber genau hören, was die wirkliche Glaubenslehre des Christentums über den Gottmenschen sagt, dann merken wir, dass bei diesem Grunddogma nichts zu ‘entmythologisieren’ ist, sondern dass es nur richtig verstanden werden muss, um ganz othodox und dennoch glaubwürdig zu sein. Wenn wir mit den Schemata unserer Alltagssprache sagen: ‘Gott wird Mensch’, dann denken wir unwillkürlich entweder an eine Verwandlung Gottes in einen Menschen oder verstehen den Inhalt des Wortes ‘Mensch’ in diesem Satz als Livree, als Gliedergruppe oder so etwas Ähnliches, durch das sich Gott selbst auf der Bühne seiner Weltgeschichte bemerkbar macht. Beide Deutungen dieses Satzes sind aber unsinnig und sind das Gegenteil dessen, was das christliche Dogma wirklich sagen will. Denn Gott bleibt Gott und verwandelt sich nicht, und Jesus ist ein wirklicher, wahrhaftiger, endlicher Mensch, der Erfahrungen macht, anbetend vor der Unbegreiflichkeit Gottes steht, ein freier und gehorsamer Mensch, in allem uns gleich.»
Wer hat das gesagt? Ein Ketzer? Ein Kirchenlehrer? Ein Wissender?Zum Raten …

19. Januar 2006 | 10:29
von Heinz Angehrn
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