Walter Ludin

Nach der Reform ...

… die ReformmüdigkeitIm Sonderdruck «Die Traditionalisten und unser Konzil» der Zeitschrift «Christ in der Gegenwart» findet sich ein lesenswerter Artikel von Michael Schrom: Daraus zwei Abschnitte:
Nach Bollmann gibt es eine Zeit zur Reform und eine Zeit der Restauration und Gegenreform. Diese Zeitzyklen sind aber nicht gleich lang. Den Reformern steht nur ein relativ kurzes Zeitfenster von etwa fünf Jahren zur Verfügung, bevor eine allgemeine Reformmüdigkeit einsetzt und es zu einer Konzentration restaurativer Kräfte kommt. Selbst in langen Reformprozessen wie bei den Konzilien von Konstanz oder Basel, die zusammengenommen ein Vierteljahrhundert tagten, drängten sich die eigentlichen Beschlüsse auf vergleichsweise kurze Zeiträume zusammen. (S. 16)
Danach ging es dem Konzil nicht anders als anderen Reformbewegungen. Es folgten Rückschläge und Enttäuschungen. Dass so viele Priester in den Folgejahren ihr Amt niederlegten, dass die Zahl der Berufungen und der Gottesdienstteilnehmer nicht stieg, sondern – im Gegenteil – sank, war ein Schock. Der Verlust des Hochaltars und der lateinischen Sprache wurde von manchen als kalter Befehl von oben empfunden und innerlich nicht akzeptiert. Im heutigen Sprachgebrauch würde man von «handwerklichen Mängeln» und von «Akzeptanzproblemen» sprechen.Im kirchlichen Kontext teilten manche die Einschätzung des damaligen Kardinals Joseph Ratzinger, wonach das Konzil in den Strudel der gesellschaftlichen Revolution von 1968 geraten sei.Vereinfacht gesagt: Die «gute» kirchliche Reform sei von der «schlechten» gesellschaftlichen Reform «geschluckt» worden und sei deshalb auf Abwege geraten.Bollmann unterscheidet zwischen rückwärtsgewandten und vorwärtsgewandten Reformen. Typisch für die ersteren ist die Diagnose der moralischen Verfallenheit und Dekadenz. «Dagegen hilft aus Sicht der Reformatoren nur Härte gegen sich und andere. Das liegt bereits in der Grundbedeutung des lateinischen Verbs reformare, wörtlich übersetzt nichts anderes, als aus dem Ruder gelaufene Zustände wieder in Form zu bringen.» Der Fluchtpunkt ist die Reinheit, der Kampf gegen die überhandnehmende Verdunkelung. Nur die Besinnung auf die Ursprünge könne die Misere beenden.Doch dieser Ansatz und das ihm zugrundeliegende Geschichtsbild decken sich nur zum Teil mit dem christlichen Reformbegriff. Bollmann: «Schon in der lateinischen Version des Neuen Testaments erscheint reformatio – die Übersetzung des griechischen metamorphis – als Übergang zu etwas Neuem. (S. 18)
Man/frau beachte betr. Sonderdrucke cig meinen Service-Hinweis vom Sonntag!:

5. März 2010 | 01:03
von Walter Ludin
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