Nach Bosnien ausschaffen?
In meinem Blog habe ich zu bedenken gegeben, was es heisst, Jugendliche nach Bosnien auszuschaffen. Nun bekomme ich von der Baldegger Schwester Madeleine Schildknecht ein Mail, das mich durchwegs in meinen Ansichten bestätigt.
Liebe Bekannte und FreundInnen
Als ich die vor ein paar Tagen die Prognose las, dass die Ausschaffungsinitiative mit grosser Wahrscheinlichkeit angenommen wird, bin ich doch recht erschrocken, und habe mich entschlossen, ein paar Sätze aus meiner Perspektive zu sagen. Vielleicht hast du dir ja noch keine defininitive Meinung gebildet oder lässt dich eventuell noch umstimmen.
Du weisst, dass ich seit 10 Jahren in Bosnien und Herzegowina im Bereich Jugendarbeit/Suchtpräavention tätig bin, um junge Menschen zu befähigen und stärken, Krisen und Herausforderungen auf lebensfördernde Art und Weise zu bewältigen. Das ist bitter nötig, denn die politische, wirtschaftliche und soziale Situation wird trotz internationaler Unterstützung immer noch desolater. Die allgemeine Arbeitslosigkeit bleibt stabil, so um 40%, die Jugendarbeitslosigkeit bewegt sich um 60%, Korruption ist allgegenwärtig. Ich bekomme konkret mit, wie das Bildungssystem durchdrungen ist von unprofessionellem, nationalistischem und korruptem Verhalten der Professoren, wie die Studenten, die keine Beziehungen haben, kaum Chancen haben… Wenn ich mir nun vorstelle, dass in den nächsten Jahren junge Menschen – und es wird ja vor allem jüngere treffen – meist gut ausgebildet, in den Arbeitsprozess integriert , nach Bosnien zurückgeschafft werden wegen Bagatelldelikten, dann wird mir richtig schwarz vor Augen. Wie soll das gelingen in einem Land, in dem die Politiker nicht einmal gewillt sind, einen Rechtsstaat aufzubauen? Die soziale Ungerechtkeit würde sich weiter verschärfen und den Westbalkan, und inbesondere Bosnien und Herzegowina zu einem Pulverfass aufbauen, das vielleicht nicht mehr in unserer Generation, aber in der nächsten explodieren dürfte. Ist denn eine so umfassende Absicherung der SchweizerInnen gegen Ausländerinnen wirklich nötig?
Das ist das zweite Mal im Leben, dass ich mich zu einer Abstimmung in dieser Art und Weise äussere. Das erste Mal war 1970, als es um die Schwarzenbacher Überfremdungsintiative ging, mit Protestknöpfen, Vorträgen in der Schule und Verteilen von Flyern! ich hoffe, dass ich damit niemanden vor den Kopf stosse, und wir weiterhin verbunden bleiben.
Mit herzlichen Grüssen,
Madeleine Schildknecht
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.


