Walter Ludin

Muttertag

Nicht nur KommerzAn keinem Sonntag fühle ich mich hier vorne so fehl am Platz wie heute. Am Muttertag müsste eine Mutter hier stehen. Sie wüsste besser als ich, was Muttersein bedeutet. Sie müssen leider mit mir vorlieb nehmen. Ich möchte jetzt nicht so anfangen wie vor 50/60 Jahren ein sehr origineller, sich vielversprechender Theologie-Professor in Luzern: «Mutter sein ist das schönste auf der Welt . Wenn ich nicht MUTTER wäre, möchte ich PRIESTER sein.»
(1. Teil: Gott als Mutter ….; lasse ich hier aus)(2. Mutter Erde:) Franz von Assisi spricht in seinem Sonnengesang von der Erde sowohl als Schwester wie als Mutter, «die uns ernährt und trägt und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter». Eine ganz ähnliche Auffassung haben auch die Indios Lateinamerikas mit ihrer Pacha Mama. Diese schenkt allen Geschöpfen das Leben, sie nährt und schätzt alles Lebendige.Pacha Mama hat sogar eine kosmische Dimension: In den beiden Indio-Sprachen Quetschua und Aymara ist damit «die Mutter des Raumes und der Zeit» gemeint, die «Mutter der Welt und des Universums».Befreiungstheologen wie Leonardo Boff haben diese Gedanken aufgenommen. In ihrer Schöpfungslehre rufen sie dazu auf, der Mutter Erde wieder Ehrfurcht und Respekt entgegenzubringen und aufzuhören, sie dauernd zu verletzen.
Nun gleich zum versprochenen 3. Teil zum Stichwort Muttertag. Suchmaschine Google sage und schreibe 39 Mio 700 000 Einträge/Links. An erster Stelle, nicht ganz überraschender der Hinweis, die Blumengrüsse von Fleurop würden pünktlich zum Muttertag geliefert. Und bald darauf steht auch die Aussage, in Deutschland müssten heute die Mütter nicht arbeiten, weil der Kinder und der Partner den ganzen Haushalt besorgen würden.Dies tönt schön: Aber gerade deshalb haben heute viele Mütter Mühe mit ihrem Tag. Sie fänden es sinnvoller, wenn ihre Familie die übrigen 364 Tage etwas aktiver im Haushalt wäre.Und was die Werbung von Fleurop betrifft: Sie ist ein Zeichen dafür, wie sehr der Muttertag verkommerzialisiert wurde. Übrigens: Er wurde erst 1914 als besonderer Tag eingeführt, von der US-Amerikanerin Anna Jevis. Das Erstaunliche: Diese Frau hat 1948 kurz vor ihrem Tod bereut, es getan zu haben, weil schon damals der Muttertag zu einem Tag der Geschäftemacherei degeneriert war.Diese Predigt möchte ich nicht mit negativen Tönen aufhören.»«¢ Ich gönne den Müttern, dass sie heute etwas verwöhnt werden.»«¢ Ich gönne den Floristen ihren Umsatz (in Deutschland nehmen sie am Muttertag etwa 130 Millionen Euro ein).Doch wenden wir uns dem Wesentlichen zu:»«¢ Der Muttertag ist für uns eine Einladung, den Müttern zu danken; auch den Grossmüttern, die heute ja eine immer wichtigere Rolle spielen; zu danken für ihren selbstlosen Einsatz für das heranwachsende Leben.»«¢ Der Muttertag ist auch eine Einladung, die mütterliche Seite in uns allen zu entdecken – in den Frauen wie den Männern. Ich denke da an Franz von Assisi, der seine Brüder einlud, wie eine Mutter füreinander zu sorgen:achtsam zärtlich sorgsam und einfühlsam.(Stans: Kloster St. Klara, 9.30 Uhr; Pflegeheim 10.40 Uhr)

13. Mai 2012 | 01:14
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 2  Min.
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