Walter Ludin

Montags-und Donnerstagsgebete

Von 7 auf 400 000Aus meinem Bericht über die Tagung, welche die Tagsatzung.ch am Samstag über Liturgien der Zukunft durchführte:
Josef Bieger, Vorstandsmitglied von tagsatzung.ch, gab im Eröffnungsreferat der Oltner Tagung einen kurzen Überblick über die Geschichte der Leipziger Montagsgebete, die einen wesentlichen Beitrag zum Zusammenbruch der DDR geleistet haben. Angefangen habe es 1982 in der Nikolaikirche, mit sieben Teilnehmenden. Am folgenden Montag waren es elf, dann dreizehn; und schliesslich am 6. November 1989 400 000! Später erinnerte sich ein ehemaliger DDR-Politiker: «Wir waren auf alles vorbereitet, nur nicht auf Kerzen und Gebete.» Bieger schlug einen Bogen in die neuere Vergangenheit: 2006 musste im westdeutschen Hammelburg ein beliebter Priester wegen der Liebe zu einer Frau sein Amt aufgeben. Ein Gemeindemitglied schlug vor, analog zu den Leipziger Montagsgebeten regelmässige Donnerstagsgebete durchzuführen, um gegen die «scheinbar unüberwindlichen Strukturen und ihre Gesetzen anzugehen». Es sollten jene gesammelt werden, die ihre Hoffnung auf Veränderungen in der Kirche nicht aufgegeben haben. Die Gebete wollten und wollen so einen Beitrag gegen die überhand nehmende Resignation kirchlich Engagierter erbringen.
Soweit aus meinem Tagungsbericht.Übrigens: Zu den Donnerstagsgebeten, die in Basel durchgeführt werden (jeden ersten Donnerstag im Monat um 18 Uhr an der Herbergstrasse 7),kommt eine nicht gerade grosse Gruppe zusammen. Ob man trotzdem hoffen darf, dass es eines Tages 400 000 Menschen sein werden; vielleicht nicht in der kleinen Schweiz, sondern auf dem grossen Petersplatz im Vatikan?
PS. In Olten gab es an der Tagung der Tagsatzung auch ein Donnerstags- äh ein Samstagsgebet. Ein Teilnehmerin des Gottesdienstes meinte in dessen Verlauf: «Widerstand leisten kann auch sehr, sehr glücklich machen.»

30. Januar 2012 | 01:34
von Walter Ludin
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