Missliches Signal in Richtung der Orthodoxie
Zu den umstrittenen Kardinalserhebungen am 22. Februar 1965 gehörte auch jene von Patriarch Maximos – einem der grossen Konzilsväter, dem wir hier im Blog schon des öfteren begegnet sind. Kardinal Franz König stand mit ihm in regelmässigem Austausch.
Yves Congar ist ob der Kardinalsernennung ratlos: «Das Kardinalat von Maximos erstaunt mich: ich verstehe das nicht. Aber ich habe Vertrauen zu Maximos. In jedem Fall wird ihm dieser Moment schmerzlich sein; ich möchte ihm meine respektvolle Freundschaft bekunden» (Co 2,335). Etwas später erklärt Patriarch Maximos Congar, was der Kardinalsernennung vorausgegangen ist. Er habe erst abgelehnt und dem Papst einen achtseitigen Brief geschrieben, um alle seine Einwände vorzutragen. Papst Paul VI. habe insistiert und sei auf Wünsche eingegangen, so dass die Patriarchen auf dem Konzil weiterhin gesondert platziert würden; dass Maximos nicht werde vor der Sedia laufen müssen und nicht die Schuhe des Papstes werde küssen müssen (was mit sehr demütigenden Erinnerungen an den Umgang von Pius IX. mit dem damaligen melkitischen Patriarchen verbunden wäre: der Papst hatte bei der Gelegenheit des Fusskusses den Fuss auf den Nacken des Patriarchen gestellt und gesagt: «Dieser sture Kopf» [Co 1,132]).
Für die Orthodoxen ist die Kardinalserhebung eines Patriarchen ein missliches Signal – an den unierten Patriarchen wird abgelesen, wie in einer vereinten Kirche mit der Orthodoxie umgegangen würde. In diesem Sinne hatte Patriarch Athenagoras im Januar 1964 zu Patriarch Maximos gesagt: «Sie vertreten uns alle. Danke!»
(emf; vgl. Dietmar Winkler: Wann kommt die Einheit? Ökumene als Programm und Herausforderung. Wien: Styria, 2014 [Kardinal König Bibliothek 4], 110 – siehe zu diesem Buch auch den morgigen Blogbeitrag)
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