Walter Ludin

Messe feiern ohne Priester? Eine Provokation

Wir sollen nicht warten, bis die Kirchenreformen von «oben» kommen. Sondern sie von «unten» in Gang setzen. Zum Beispiel in Form von Messfeiern ohne Priester. Was könnte den Akteuren passieren? Nichts, seit es keine Scheiterhaufen gibt. Dies meint Heribert Franz Köck in einer Aussendung  der österreichischen Laien-Initiative:
«Mag auch der Priester weiterhin «ordentlicher» Spender der Sakramente bleiben; wo es keine Priester gibt, werden die Gemeinden auf «ausserordentliche» Formen der Sakramentenspendung zurückgreifen (müssen) und die Sakramente gemeinsam im Vertrauen auf das Wort Jesu feiern, dass – wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind – er mitten unter ihnen ist. Hinsichtlich der Eucharistie ist das nicht nur bereits angedacht, sondern auch schon geschehen; und über die Gültigkeit wird nur der streiten, der im Priester vor allem einen Magier sieht, der allein die Macht hat, Brot und Wein zu «verwandeln». Dabei ist es auch nach katholischer Auffassung ohnedies der Heilige Geist, der die Gaben in den Leib und das Blut Christi wandelt. Warum – wenn kein Priester zur Hand ist – nicht auch die Gemeinde als solche die Wandlungsbitte (die ja auch der Priester nicht im eigenen Namen, sondern im Namen der Gemeinde spricht!) sprechen können sollte, wäre unverständlich.»
Könnte die Kirchenleitung ungehorsame Laien strafen?
«Sie kann zwar theoretisch Kirchenstrafen verhängen, also z.B. gegen jene, die ohne Priester Eucharistie feiern, die Exkommunikation aussprechen. Aber eine solche Exkommunikation bindet doch nur dann im Gewissen, wenn sich der oder die Betreffende einer Schuld bewusst sind. Dass ungerechtfertigte Exkommunikationen keine Wirkung haben, hat schon Thomas von Aquin festgestellt. Und daher werden diese wirkungslosen Exkommunikationen die Betreffenden weder hindern, auch weiter am Leben der Kirche teilzunehmen, noch jene Gemeinden, die mit ihnen solidarisch sind, dazu zu bringen, sie ausschliessen. Selbst die Verhängung des Interdikts über eine Gemeine oder gar Diözese – also das Verbot, dort Gottesdienst zu feiern und die Sakramente zu spenden – würde nichts anderes bewirken, als den Widerstand weiter anzuheizen, und die Gefahr in sich bergen, dass daraus ein Flächenbrand der Reform «von unten» wird, der nicht mehr einzudämmen ist.
Seit die Amtskirche nicht mehr die Möglichkeit hat, «Häretiker» und sonstige «Widerständler» aller Art dem Arm des Staates zu übergeben, auf dass dieser sie am Scheiterhaufen verbrennen, ist das kirchliche Schwert stumpf geworden. Der Amtskirche bleibt nur die Möglichkeit, die Menschen zu überzeugen. Und dazu braucht es die besseren Argumente. An denen aber mangelt es…»
 

10. Mai 2014 | 01:43
von Walter Ludin
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