Heinz Angehrn

Me and my girl anno 1989

Am Rande des Treffens der Europäischen Priesterräte (CCPE) 1989 in Egham am Stadtrand von London wagte die Schweizer Delegation auch einen Ausflug in die Innenstadt. Alfredo Sacchi und der hier Schreibende wagten noch mehr, begaben sich an den Strand und erhielten Karten für das Royal Adelphi Theatre. Nun kann man über das Musical sehr wohl geteilter Meinung sein, auf jeden Fall haben die lärmverstärkten Aufführungen der Jetztzeit mit miesen Werken, die maximal eineinhalb Melodien aufweisen, die dafür aber x-Mal wiederholt werden, nichts mit den Klassikern der Vergangenheit (Fair Lady, West Side Story, Annie get your gun etc.) mehr zu tun.
Nun an diesem 14.April 1989, zu Beginn des Jahres also, in dem sich die Welt veränderte, war im Adelphi noch alles in bester Ordnung. Es war ein alter, an die Lady erinnernder Schinken aus den verstaubten Regalen des Archivs herausgeholt worden, Noel Gays (Music) und L.Arthur Rose&Douglas Furbers (Text) bereits 1937 uraufgeführte Musical-Revue «Me and my girl» in einem Textbuch von Stephen Fry, die Geschichte des Lambeth-Proletariers Bill Snibson, der nolens volens zum 14.Earl of Hareford wird und fast sein girl Sally auf dem Weg nach oben verliert. Nicht nur die Regale des Archivs, auch die Aufführung (höchstens gestört durch einige quietschende girls aus den Staaten auf den oberen Rängen) war köstlich verstaubt: Die Ahnen stiegen aus den Bilderrahmen auf Hareford Hall, die englische Sommersonne hatte ihren «hat on», die Duchess und Sir John besangen das Portwein-Trinken und Bill fand per aspera ad astra «leaning on a lamp post» heraus, wer zu ihm gehört.
Delicious, old fashioned, that’s theatre. More of it!

25. März 2010 | 07:36
von Heinz Angehrn
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