Markus Baumgartner

Luther – der erste Medienstar

Die Mediengeschichte als Erlebnisbaum: Sie beginnt mit Martin Luthers erster deutscher Bibel, die Gutenberg gedruckt hat. Das war die Basis für den Siegeszug der Medien, die in der neuen Ausstellung «Von Luther zu Twitter – Medien und politische Öffentlichkeit» im Deutschen Historischen Museum in Berlin gezeigt wird. Verständlichkeit war das Ziel Martin Luthers, als er die Bibel übersetzte. Die Auflagen seiner Bücher und Schriften zeigt, dass er sowas wie der ersten Medienstar war. Er nutzte, so die Kuratorin Melanie Lyon, die Buchdrucktechnik für Flugblätter, um die Reformation voranzutreiben. «Luther als Medienperson steht da für uns exemplarisch als jemand, der 70 Jahre nach der Erfindung des Buchdrucks erkennt, was man mit dem Medium machen kann», erläutert Melanie Lyon. «Der Maler Lucas Cranach hat das bebildert. Und Leute, die nicht lesen konnten, hatten damit einen Zugang zu Inhalten», schreibt das Onlineportal RBB24.de.

Nachgebaute Luther-Kanzel

Den Luther-Raum dominiert eine nachgebaute Kanzel. Jeder der fünf Themen-Räume mit den insgesamt 200 Exponaten transportiert eine ganz bestimmte Atmosphäre. Ein Bild von Heinrich Lukas Arnold um 1840 zeigt, wie im 19. Jahrhundert immer mehr Menschen lesen lernten. In Lesekabinetten wurden Zeitungen und ihre Inhalte miteinander ausgetauscht. Im Radio-Raum gibt es einen ganz leisen Grundsound, dem niemand sich entziehen kann. Im Fernseh-Raum ist ein Wohnzimmer der frühen 1960er Jahre eingerichtet, mit bunten Tütenlampen, braunem Couchtisch und dem Fernsehgerät im Zentrum.

Buchdruck, Presse, Radio, Fernsehen und Internet sind verbunden mit Personen, die mit ihnen Einfluss gewinnen wollten: Luther mit dem Buchdruck, Bismarck mit der Presse, Hitler und Goebbels mit dem Radio. Kennedy hat 1960 die Wahl nach dem ersten politischen Fernsehduell gegen Nixon gewonnen, auch weil er telegener war. Trump schliesslich nutzt Twitter. Sein Account steht prominent auf einer Säule des Internet-Raums, um an den etablierten Medien vorbei zu kommunizieren.

Plattform für Proteste

Interessant ist: Die Klagen einer jungen Protestantin während der Zeit der Reformation zeigen, dass es in jedem Medienzeitalter Proteste gab – genauso wie Fortschritt, Bildung, Partizipation und Aufklärung. Die Ausstellung ist daher besonders wichtig in unserer Medienwelt.

Bild Quelle Wartburg-Stiftung Eisenach
12. September 2020 | 22:50
von Markus Baumgartner
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