Liturgiesprache Latein?
Auf das Thema der Liturgiesprache gehen zahlreiche Konzilsväter ein. Für die einen ist die Verwendung des Lateins in der Liturgie eine Sache der menschlichen und mehr als nur menschlichen Weisheit (James Louis Kardinal McIntyre von Los Angeles, vgl. AS 1/1,369). Es ist die Sprache der Kirche, die Sprache der Einheit; umgekehrt wird gegen die Landessprachen eingewandt, dass die Protestanten sich ihrer bedienen (vgl. AS 1/1,370 oder 595).Auf der anderen Seite stehen Bischöfe, die aus pastoralen und auch theologischen Gründen für die Verwendung der Landessprachen eintreten. Eugène Kardinal Tisserant liefert gar eine historische Abhandlung über die Verwendung von Landessprachen in der Liturgie durch die Jahrhunderte hindurch (vgl. AS 1/1,399f).Wiederum auf Französisch relativiert der melkitische Patriarch Maximos IV. aus der Sicht der orientalischen Kirchen die Bedeutung der lateinischen Sprache und weist darauf hin, dass Jesus das Abendmahl wohl auf aramäisch begangen haben dürfte. Selbst in Rom sei die erste Liturgiesprache griechisch gewesen (vgl. AS 1/1,377f). Auch Bischof Jorge Kemerer von Posadas (Argentinien) erinnert an die Orientalen, um den Anspruch, dass das Latein Band der Einheit sei, zurückzuweisen. Die Quelle der Einheit sei der Heilige Geist, der das Trennende nicht durch eine einzige Sprache, sondern durch die Erleuchtung des Verstandes und des Herzens überwinde (vgl. AS 1/1,521f). Pikant ist am 29. Oktober 1962 der Hinweis des Bischofs Franz Simons, dass man auf internationalen Konferenzen und selbst in der Korrespondenz mit dem Heiligen Stuhl mehr und mehr die Landessprachen verwende. Statt die Einheit zu fördern, werde das Latein eher ein Faktor der Trennung zwischen Klerus und Volk, zwischen der lateinischen Kirche und den nicht-lateinischen Christen (vgl. AS 1/1,586f). Am selben Tag meldet sich Bischof Franić von Split im damaligen Jugoslawien zu Wort. Er spreche für eine okzidentale Kirche, deren Liturgie auf altslawisch gefeiert werde, mit einem im Vatikan gedruckten Messbuch. Diese Praxis möge doch bitte nicht in Frage gestellt werden – gerade in einer Zeit, in der diese Kirche so sehr in Bedrängnis sei (vgl. AS 1/1,568f).(emf)
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