Linsenbühl VIII
VIIIEs nahte dann die Fasnacht, für einen rechten St.Galler eine seltsame Zeit. Natürlich gab es da einen eigenartigen Mann namens Johann Linder, der irgendwo in den Beizen der Innenstadt Lieder sang. Aber Fasnacht im Linsenbühl, von welchem dieser Mann sogar sang, war etwas anderes. Rechtzeitig galt es, einen genügend grossen Vorrat an knalligen Papierrollen für die Spielzeugpistolen zu besorgen. Denn Fasnacht im Linsenbühl, das war Krieg, nicht Krieg der Knöpfe, aber Krieg der Helden des wilden Westens. Die Buben aus dem Linsenbühl rotteten sich nur in dieser Zeit jenseits von Alters-, Schulklassen- und sonstigen sozialen Grenzen zusammen, um die bösen Feine aus dem Steingrüebli, dem Nachbarquartier, zu bekämpfen. Martialisch anmutende Cowboyhüte, wilde aufgemalte Männerschnäuze, bedrohlich glitzernde Ketten am Hosengurt, so drohend und bewaffnet besammelte man sich oberhalb der Stadt auf neutralem Boden, um sich zusammengerottet auf feindliches Territorium zu begeben. Dann war es nur noch entscheidend, welche Gruppe die grössere war. Die griff an, die kleinere floh. Und die ungeschickt Langsamen, unter ihnen natürlich Ingo, wurden gefangen, beleidigt und bedroht. Er habe fünf Rollen an Knallpistolenpapier zu bringen, erst dann werde aber freigelassen, wurde ihm beschieden. Dass er in jenem Winter keinen Fuss mehr ins Steingrüebli setzte, das ist wohl klar.
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