Liberalität 4
In medias res nun, was die politischen Pole betrifft. Beide empfinde ich als fortschrittsfeindlich, populistisch auf ihre Klientel bezogen und damit konservativ.
Nicht überraschend ist dies bei der politischen Rechten. In bestem neofaschistischem Stil liefert sie ihrem Stimmvolk (sicher das mit dem niedrigsten IQ) einfache Sündenbock-Erklärungen. Ausländer, Asylanten und Asoziale sind schuld am Zerfall der hehren Schweizer Werte, und sie werden abgestraft. Total farbenblind natürlich, aber beim Volk beliebt. Übersehend, dass es in der Mehrheit Schweizer Jugendliche aus guten Verhältnissen sind, die Wochenende für Wochenende Saubannerzüge jeder Art (in Innenstädten, auf Bahnhöfen, in Fussballstadien etc.) zu verantworten haben, übersehend, dass sie von Schweizer Durchschnittsfamilien gedeckt werden. Law and order Ja, aber dann nicht einseitig! Beibehaltung einer Miliz-Pflicht für alle Jungen, aber eben an sinnvollen Orten.
Schlimmer dann bei einer Mehrheit in SP und bei den Grünen. Hier wird in bester alter englischer Labour-Manier der Kopf in den Sand gesteckt und so getan, als hätten sich Welt, Wirtschaft und Gesellschaft nicht verändert. Zwar kämpfen sie nicht für den Heizer auf elektrifizierten Lokomotiven, aber etwa für einen service public total in einer Welt, in der immer weniger Menschen Briefe schreiben. Zwar bestreiken sie nicht mehr ganze Firmen, aber sie wehren sich etwa für Arbeitszeiten im Detailhandel, die durch den Lebensstil der Neustzeit seit schon über 20 Jahren überholt sind. Ja: Sie lassen sich dabei von den Konservativsten aller Konservativen, den «altgläubigen» Gewerkschaften, immer noch in den Sack stecken. Es stimmt: Da gibt es Frau Sommaruga, da gab es Herrn Strahm, aber das sind Einzelmasken.
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