Lebensfuelle
Eine Meditation zu Ev John 10/10
Lebensfuelle ist ein Phantasie-Produkt, eine Erwartung, eine
Verheissung – manchmal eine Erfahrung. Wir sagen dann:
er war ganz lebendig; es war alles so voll von Leben; sie war
ganz dabei; total vernarrt; lebendig wie nie zuvor… Es scheint,
dass wir Menschen zumindest eine Ahnung von Lebensfuelle
haben. Der Ausdruck: «sein Leben war reich an Erfahrungen»
zeigt, dass im reichen Leben alles miteingeschlossen ist:
Freud + Leid, Sieg + Niederlage, Geburt + Tod, Segen + Fluch,
Einsamkeit + Gemeinschaft, Schmerz + Gesundheit;
aktiv + passiv… alle Gegensaetze treffen sich und erwarten
Beachtung und Meisterung.
Der Ev John unterstellt dem JvN, dass er gekommen sei,
damit die Menschen Leben in Fuelle haben – und es macht den
Eindruck, dass dieser JvN als Tor, als Eingang, als Eroeffnung
in die Lebensfuelle gilt; er ist Tuer-Oeffnung zu einem ganz
neuen voll erfuellten Leben. Gemaess den Auferstehungs-
Berichten halten es die Juenger Jesu fuer gegeben, dass dieser
JvN von jedem Tod auferstand in diese Lebensfuelle hinein
(oft auch als Himmel oder Ewiges Leben oder «eins mit Gott»
genannt. Und dieser Aufstand in die Lebensfuelle gilt als ein
dynamischer Prozess. Die Hirtensorge des JvN wird gesehen als:
Er sorgt sich dafuer, dass die Menschen in die Lebensfuelle
geraten, in die Auferstehung, in die Offenheit in allem…
Das ist eine Ziel-Vorstellung, die uns allen gut tut. Und wir
waeren dankbar, wenn die christlichen Kirchen diese Lebens-Erfuellungs-Vorstellung etwas deutlicher in die Vordergrund und
in die Gegenwart stellen wuerden. Die Menschen sind ja auch
dazu da, um gluecklich und «voll erfuellt von Leben» zu leben.
Die Freude ueber die bereits realisierte Lebensfuelle koennte
in der Liturgie einen gebuehrenden Platz finden.
Hin zu dieser Lebens Erfuellung gibt es einen strategischen
Weg, den JvN voraus gegangen ist – «engagement/Einsatz»
genannt – und zwar fuer all das, was als gut, wahr und schoen wahrgenommen wird.
Der Festkalender Jesu, seine Zeichen der Oeffnung und seine
Passions-geschichte sind Markierungen fuer uns heute,
wo’s denn lang geht.
Ein Spiritual ist heute eine Persoenlichkeit, die es sich zum
Beruf (Berufung) gemacht hat, eine Therapy anzubieten…
die den Weg zur Lebensfuelle ermoeglicht.
Es ist ja nicht selbstverstaendlich, dass Menschen diesen Weg
schon gehen koennen (geschweige denn wollen). Zum Gehen-
Koennen auf diesem Lebens-Erfuellungs-Weg braucht es schon
einiges… ev. auch eine Therapy.
Im Jahr 2018 wird die Kath. Kirche den jungen Menschen
dieser Welt so eine Gesellschafts-Therapy anbieten:
Ermoeglichungen zum Weitergehen
auf dem Auferstehungsweg
in die Lebensfuelle.
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