Latein auf dem Konzil
Der Moderator Kardinal Léon-Joseph Suenens bemerkt im Rückblick auf die lateinische Sprache: «Das Latein, offizielle Konzilssprache, stellt zugleich eine Notwendigkeit und ein Handicap dar. Eine gewisse Zeit lang haben wir versucht, ein System von Simultanübersetzung zu organisieren, aber der technische Service verlangte, dass die Redetexte fünf Tage vorher abgegeben werden müssten, was nicht realisierbar war.
Ich persönlich habe ein System entwickelt, um mich trotz des Lateins verständlich zu machen. Erfreut habe ich eines Tages von einem amerikanischen Bischof gehört: ‹Wenn Sie lateinisch sprechen, verstehe ich Sie immer›. Hier ist das Geheimnis dazu: Ich habe meinen Text französisch geschrieben, man hat ihn mir in gutes Latein übersetzt, und danach habe ich den Text erneut überarbeitet, um ihn in schlechtes Latein zu übertragen – möge Cicero mir verzeihen! – damit ich auf Anhieb verstanden würde. Letztes Element des Rezeptes: ich habe es immer so eingerichtet, dass ich in den lateinischen Text eine kleine bissige französische Wendung habe einfliessen lassen. Sie weckte brüsk die Aufmerksamkeit und straffte die Botschaft meiner Rede» (Su 125).
Suenens gibt zwei Beispiele. Während der Diskussion um die Altersbeschränkung der Bischöfe wendete er gegen die Argumentation, ein Bischof müsse seinem Bistum treu sein bis zum Tod, in französischer Sprache ein: «N’employez plus cet argument, cette basilique est pleine d’évêques ayant divorcé!» Als verlangt wurde, dass man kein präzises Alter vorgeben solle, habe er französisch geantwortet, dann werde der Text ein Schlag ins Wasser sein: «Si l’on n’indique pas un chiffre précis, notre texte restera … un coup d’épée dans l’eau!» (Su 125).
(emf)
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