«Laien» und ihre produktive Konzilsverunsicherung
Nur mündlich fasste man zwischen den ersten beiden Konzilssessionen den Beschluss, «Laien» in die Beratungen über Konzilstexte einzubeziehen. Die erste Konsultation im Februar 1963 verlief in grosser Heimlichkeit: «Die Leiter [Laien] des Komitees der Internationalen Kongresse für das Laienapostolat hatten sich ohne irgendeine sichtbare Verbindung zu den Arbeiten der Konzilskommission zu einer normalen Sitzung in Rom versammelt. Bei dieser Gelegenheit statteten die Experten der Kommission dem Treffen […] einen ‹Besuch› ab, um sich mit den Komiteeleitern zu unterhalten. ‹Alles geschah so, als hätte die Beratung zufälligerweise stattgefunden.› Doch es versteht sich von selbst, dass diese erste Konsultation keine Creatio ex nihilo war.» (A2, 527)
Erst das zweite Zusammentreffen war offiziell. Vom 24. bis 26. April 1963 waren Laien als Periti an der Vorbereitung des Schemas XVII (aus dem nach langen Auseinandersetzungen die Pastoralkonstitution Gaudium et spes, ‹Über die Kirche in der Welt von heute›, hervorging) beteiligt. Frauen hatten auch hier noch keinen Zugang. Sie wurden erst später berücksichtigt.
Inhaltlich ging es um das Verständnis der «Katholischen Aktion» im Selbstverständnis der Kirche. Sollte dieser Begriff weiterhin das organisierte Auftreten von kirchlichen Laienbewegungen zum Ausdruck bringen, die in enger Bindung an die Hierarchie kooperierten? Oder sollte man mit Kardinal Suenens den Begriff breiter verstehen, nämlich als Ausdruck der grundsätzlichen Sendung, des Apostolats der Laien, das in den Bewegungen einen Ausdruck findet, sich aber nicht darin erschöpft? Noch hatte die Kirche kein überzeugendes Konzept für die Laien gefunden.
(ab; A2, 520 – 530)
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