Luzerner Fasnacht © Walter Ludin
Walter Ludin

Lachen, Humor, Fröhlichkeit/Fasnachtspredigt

Zuerst eine logische Überlegung: Ohne Kirche gäbe es keine Fastenzeit, ohne Fastenzeit keine Fasnacht. Warum aber kennt die Kirche in ihrem Festkalender keine fasnächtlichen Anlässe? Es gibt ja zum Beispiel keinen heiligen Güdis.

Trotzdem und obwohl nicht alle von Ihnen begeisterte Fasnächtler sind: In diesem Gottesdienst soll etwas von der besonderen Zeit spürbar sein, die für viele Innerschweizer (und später dann für die Basler!!) der Höhepunkt des Jahres ist.

So habe ich als Predigtthema ausgewählt: Lachen, Humor, Fröhlichkeit. Ich werde mich kurz fassen – damit Ihnen nicht das Hören und Lachen vergeht.

Wenn es ums Lachen geht, hört die Gemütlichkeit bei vielen frommen Gläubigen auf. Ein krasses Beispiel kennen sicher einige von Ihnen aus der Literatur und aus dem Kino oder Fernsehen, nämlich den Roman/den Film «Der Name der Rose». Ein Mönch bringt dort einige Menschen um, damit ein bisher verborgenes theologisches Werk, welches das Lachen verherrlicht, nicht an die Öffentlichkeit kommt.

Doch: In der Bibel wird das Lachen sogar Gott zugeschrieben. Es heisst dort: «Gott lacht über seine Feinde.» Kurz gesagt bedeutet dies: Das Lachen ist eine Waffe gegen das Böse, das sich ausbreiten möchte.

Und jemand meinte: Gott hat Sinn für Humor. Denn er hat die Menschen geschaffen. Wenn wir uns so überlegen, was alles an menschlichen Wesen über die Erde kreucht und fleucht, müssen wir sagen, dies stimmt.

Schauen wir nun auf Jesus: Er hat wohl keine Witze erzählt. Doch seine Botschaft enthält viel Heiteres, Frohes, Frohmachendes. Wir sprechen ja vom Evangelium, der Frohbotschaft Jesu. Dazu nur Folgendes: die Aufforderung Jesu in der Bergpredigt, sich nicht ängstlich um das Morgen zu sorgen.

Heute könnten wir dieses Evangelium unter das Motto stellen: Take it easy/nimms leicht. Oder wie mein Freund Rolf jeweils sagt, wenn irgendein Problem aufgeblasen und zerredet wird: «Intergalaktisch gesehen ist das nicht wichtig.» Ja, versuchen Sie es selber mal. Stellen Sie sich unter einem Sternenhimmel und denken Sie über solche Probleme nach. Sie werden spüren: Alles wird einfacher.

Oder wenn Sie in einer nebligen Gegend ohne häufigen Blick auf die Sterne leben: Wenn Sie einen Fehler gemacht haben, überlegen Sie sich: Wer denkt in drei-vier Jahren noch daran. Vergangen, vergessen, vorbei.

Einen weiteren Rat geben uns die Schwestern von Charles de Foucauld in Paris: «Selig, die über sich selbst lachen können. Sie werden immer genug Unterhaltung finden.»

Solche Menschen können wirklich zur Unterhaltung beitragen. Wir haben in unserem Kloster zwei Brüder, denen öfters was passiert, über das sie sich eigentlich ärgern könnten. Doch sie nehmen es gelassen und erzählen uns davon. Das macht sie geradezu sympathisch.»

Auch ein schon lange gestorbener Mitbruder verstand es ausgezeichnet, uns mit Geschichten und Geschichtchen aus seinem Leben zu unterhalten. Nur ein Bespiel, das zu diesen Tagen passt.

Als er etwa dreijährig war, nahm ihn seine Tante während der Fasnacht in die Kirche mit, wo – wie es immer noch in traditionellen Gegenden der Schweiz oder Deutschlands immer noch Brauch ist –  eine Sühneandacht stattfand. Sie mussten zuvor durch das fasnächtliche Treiben spazieren. In der Kirche war gerade der eucharistische Segen, den der Priester im feierlichen liturgischen Gewand, im bunten Rauchmantel spendete. Da rief der kleine Toneli ganz begeistert: «Das esch de allerschönschti Böög». Sie können sich vorstellen, wie es der guten Tante zumute war.

In der fasnächtlichen Narrenzeit könnte ich nun auch vom berühmten theologischen Bestseller «Das Fest der Narren» von Havery Cox erzählen. Ich möchte Sie nicht damit langweilen, sondern das Gedicht «Sei ein Narr» der Luzerner Dichterin Anke Maggauer-Kirsche vortragen:

sei ein Narr

über die

eigene Torheit lachen

Spässe

über die Dummheit

der Menschen machen

lieben so naiv

wie ein Kind

und das Herz

voller Träume

komm!

sei ein Narr

wage ein Narr zu sein

 

die Sterne zählen

eine Blume betrachten

innerlich schweben

wenn ein Lied erklingt

gerade dies Eine

nicht fliegen können

und doch treiben im Wind

komm! sei ein Narr

sei endlich

ein Narr!

(Samstag 16.30 Elisabethenheim Luzern; Sonntag 9.30 Frauenkloster St. Klara, Stans; 10.40 Pflegeheim Nägeligasse, Stans)

 

Luzerner Fasnacht © Walter Ludin
25. Februar 2017 | 10:03
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 3  Min.
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