Kurt Marti und Bambergers naiv-fundamentalistisches Bibel(un)verständnis
Ich habe schon oft gestaunt, welch naives, ja fundamentalistisches Bibelverständnis unser lieber Bamberger hat. Nun hat er den Vogel abgeschossen, indem er Jesus unterstellt, zu brutalem Mord aufgerufen zu haben: (»Es wäre besser, es würde ihm ein Müllstein umgehängt …») Damit verrät Bambergern, dass er nicht gerade viel von Bildersprache versteht, von orientalischer erst nicht nix….
Eine seiner Spezialitäten ist es auch, genussvoll widersprüchliche biblische Aussagen aufzulisten. Ich halte es lieber mit Kurt Marti und seinem untenstehenden Gedicht. Jedenfalls zeigt dieses von 1000mal mehr Sachverstand!
Kurt Marti, Das gesellige Buch
Ein Buch?
Mehr noch: Eine Bücherei!
66 verschiedene Bücher
von nicht nur 66 verschiedenen Autoren,
denn manch eines enthält
(nach Art der hölzernen Babuschkas)
in sich wiederum drei, vier kleinere Bücher
verschiedener Autoren.
Nicht zu vergessen
die namenlosen Scharen
späterer Bearbeiter, Ergänzer, Verknüpfer,
der fromme Fleiss
ihrer minutiösen Text-Finissage
während rund eines Jahrtausends
jüdisch-urchristlicher Geschichte.
Allmählich entstand so:
ein Bücherbuch vieler Stimmen,
die nacheinander,
nebeneinander,
durcheinander,
gegeneinander,
miteinander
reden, singen, murmeln, beten.
Dissonanzen? Jede Menge.
Widersprüche? Noch und noch.
Kein ausgeklügelt Buch.
Hundert-Stimmen-Strom
(selbst Schriftgelehrte ermessen ihn nicht)
–
wohin will er tragen?
Über Schwellen, Klippen, Katarakte
heimzu, heilzu (hoff ich).
Merklich oder unmerklich nämlich
strömen die verschiedenartigen,
die verschiedenzeitlichen Stimmen
denn doch
und stets wieder zu EINER Stimme zusammen:
«Das Wunder dieses Zusammenfliessens
ist grösser als das Wunder
eines einzigen Autors»
(EMMANUEL LEVINAS)
Viel-Stimmen-Buch also,
geselliges Buch
(geselligstes der Weltliteratur!):
in ihm wird
die EINE,
die verlässliche Stimme
der geselligen Gottheit laut.
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