Kulturprozent-Konzert 2 in SG
Nach den hier geschilderten Vorkommnissen am ersten Konzert (ein durchgedrehtes Klavier-Teenie und hässlich atonale Musik aus dem Fernen Osten) kam gestern Abend nach einer schrecklichen Fahrt durch Schnee, Eis und Stau die ersehnte Rehabilitation der Konzertreihe:
Das Orchestra della Svizzera Italiana bot ein gediegen klassisches Programm, und unsere Seelen erwärmten und labten sich. Nach Mozarts Hornkonzert Nr.2 KV 417, das dazu diente, Stau und Eis langsam aus dem Bewusstsein entrinnen zu lassen, betrat Vadim Repin das Podium, und das vom berüchtigten Eduard Hanslick bei der 1881er-Uraufführung als «stinkender Fusel» bezeichnete wohl schönste Violinkonzert des Repertoires, das in D-Dur von Piotr Iljitsch, begann zu klingen und zu singen. Winter und Eis entschwanden im Bewusstsein, und Bilder schöner Körper am mild-warmen Meeresstrand tauchten auf. Wie hat der Mann in all seinem Elend so viel Schönheit schaffen können? Repim begeisterte übrigens mit dem Spiel, posturmässig war er mehr der Typ russischer Eishockey-Kasten.
Nach der Pause dann die Siebte von Beethoven. Diese Sinfonie «ohne zuviel Noten» steht in der Nachfolge Bachs, ist streng und konsequent und trotzdem unglaublich melodisch. Und wenn dann noch ein Tessiner Orchester unter einem Latino-Dirigenten (Andrés Orozco-Estrada aus Colombia) an diese Sache geht, wird die Sinfonie zwar etwas lauter als bei den Referenzaufnahmen, aber sie schwingt flott im Rythmus.
Einmal nur zufrieden mit der Musik. So könnte es mehr sein.
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