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Kulturelle Vielfalt: die Geburtsstunde von LG 13

Ein Volk Gottes in vielen Völkern, so lautet das Grundmotiv des Konzilstextes in der Kirchenkonstitution Lumen Gentium Nr. 13. Das Gottesvolk «fördert und übernimmt … Anlagen, Fähigkeiten und Sitten der Völker, soweit sie gut sind». Katholizität bedeutet demnach: Die Vielfalt der Kirche wächst auf dem Boden unterschiedlicher Kulturen.
An der Wurzel von LG 13 steht eine überzeugende Konzilsrede.
Am 4. Oktober 1963 ergreift Bischof Antoine Grauls im Namen 55 afrikanischer Bischöfe das Wort. Der geborene Belgier wirkt als Bischof der Diözese Kitega in Burundi. Er wünscht im Kapitel über das Mysterium der Kirche eine Erwähnung ihrer Katholizität, die er als wunderbare Einheit und Vielfalt entfaltet. Ausgangspunkt ist die Inkarnation – als Annahme von allem, was menschlich ist. Dass die Menschwerdung sich in Palästina, in einer bestimmten Kultur ereignet, lässt die Bedeutung der zahlreichen Kulturen für die Kirche erkennen. Die Vielfalt der Kulturen ist Gabe Gottes und muss in der Kirche empfangen werden, was in der Folge legitime unterschiedliche Traditionen in der Liturgie, unterschiedliche religiöse Bräuche und Frömmigkeitsformen sowie Formen der Leitung und Verwaltung der Kirche nach sich zieht.
Ausdrücklich hebt Grauls hervor, dass sich die Vielfalt in der Kirche nicht auf die Unterschiedlichkeit der okzidentalen und orientalischen Tradition reduzieren lässt. Die jungen Kirchen seien in eine noch umfassendere kulturelle Vielfalt hineingestellt. Aus diesem Grund schlagen die afrikanischen Bischöfe die Einfügung eines neuen Artikels in den Text der Kirchenkonstitution vor, für den sie auch gleich einen Entwurf liefern (AS 2/2,161f.).
Gegenüber diesem Entwurf wird der Text von LG 13 wird das Thema noch stärker in die Volk-Gottes-Motivik einbinden, wofür der kanadische Erzbischof Mauritius Baudoux einen hilfreichen Anstoss gibt, wenn er in einer schriftlichen Eingabe schreibt: «Die Kirche, die die legitimen Sitten und Kulturen der Völker bewahrt, zieht alle Völker in ihren Schoss, damit aus ihnen in Christus ein Volk Gottes hervorgebracht wird» (AS 2/1,619).
(emf)

5. Oktober 2013 | 00:03
von Konzilsblogteam
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