Kultur zum Ersten: Breloers Buddenbrooks
Dank den Sportferien fand ich Zeit, Heinrich Breloers Neuverfilmung im Kino anschauen zu gehen. Wie bei jeder Verfilmung bleibt einmal der Satz, dass das Werk als Ganzes nicht in knapp drei Stunden gepresst werden kann. Dazu braucht es schon einen TV-Mehrteiler, und den kann das Kino nicht bieten. Also musste auch Breloer radikal kürzen, was mehrheitlich gut gelang. Das Weglassen der ersten Generation, das der ganzen Sesemi Weichbrodt-Welt, auch das der Tochter und der Fehlgeburt Tonys (schon schwer wiegender für das Verständnis der Rolle) und noch der Verzicht auf das Hanno-Schulkapitel ermöglichten es, die Zeitlimite einzuhalten. Wesentliche Szenen behielten dagegen ihre Länge: die Begegnung Tony-Morten zu Beginn oder die Verstossung von Christian durch Tom.
Einige wenige Anmerkungen:
– Zu den Schauspielern/innen: Kaum jemandem gelang eine grosse Interpretation. Geradezu blass etwa Iris Berben als Bethsy, fast ein Ausfall auch Armin Müller-Stahl als Patriarch. Mehr als Grandezza bleibt da nicht. Wirklich zu loben eigentlich nur Mark Waschkes Tom; Sylvester Groth spielte zumindest einen mephistophelischen Kesselmeyer. Und Jessica Schwarz spielte Tony, wie Thomas Mann Tony zeichnet: Immer da und doch nicht eigentlich greifbar.
– Sensationell gut hingegen die Ausstattung, das Bemühen, die Stadt Lübeck und die Handelswelt der Kaufleute lebendig werden zu lassen. Nur schon wegen diesen starken und athmosphärischen Bildern lohnt sich der Besuch des Films.
– Breloer wagte kaum eine Neudeutung, blieb sehr vorsichtig. Darum doch der Hinweis auf zwei Details: Hermann Hagenström bleibt in Tony verliebt bis zum Ende, es bleibt im Film die Frage, ob sie nicht mit ihm ihr Glück gefunden hätte. Und: Der homoerotische Aspekt der Beziehung der beiden Jungs Kai und Hanno (Parallelität zur Beziehung Tony-Morten) ist greifbar bis hinein in den bitteren Tod. Das war Breloer dem grössten verkappten Schwulen der deutschen Literatur doch schuldig.
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