Kritische Anfrage
Etwas beschämt und traurig lese ich einen sehr freundlichen und friedlichen Brief eines Lesers meiner Editorial-Beiträge im «Forum». Er nimmt Bezug auf unsere diesjährigen theologischen Leseabende zum Thema «Glaube, der bedrückt, oder Glaube, der befreit?» mit Werken von Karl Frielingsdorf, Helmut Jaschke und Monika Renz.
Das Zitat aus dem Werk von Frielingsdorf lautete im Wesentlichen:
«Es wiederholen sich viele Überlebensstrategien der frühen Kindheit auch im religiösen Leben in der Beziehung zu Gott. Dabei kristallisieren sich einige typische, negative Gottesbilder heraus: Der strafende Richtergott, der Todesgott, der Buchhaltergott und der überfordernde Leistungsgott …Oft ist der Weg bis zum Erkennen der lebensbehindernden Schlüsselpositionen und der entsprechenden negativen Gottesbilder lang und beschwerlich. Die grossen Widerstände gegen die Wahrnehmung der schlimmen Kindheitserfahrungen sind verständlich, denn in diesem Prozess werden die tiefsten Lebenswunden aufgedeckt und schmerzhaft berührt. Doch ohne eine Auseinandersetzung und Versöhnung mit der eigenen leidvollen Vergangenheit wird die Lebenstiefe selten erreicht und kann das Leben im Ganzen kaum gelingen. Die «dunklen Kellerräume» und die in ihnen hausenden dämonischen «Geister» sind und bleiben ein wesentlicher Bestandteil des menschlichen Lebenshauses. Wenn wir sie im Dunkel des Unbewussten lassen und uns nicht bewusst mit ihnen auseinandersetzen, besteht die Gefahr, dass sie unbemerkt immer wieder Einfluss nehmen auf unser Leben, auch da, wo wir es nicht wollen. Und sie verhindern, dass wir an die vielen positiven Möglichkeiten und Lebensvorräte herankommen, die ebenfalls in diesen Kellerräumen verborgen liegen.»
Die Anfrage des Lesers: Darf eine Kirche, die so viel Unheil über die Menschen gebracht hat, überhaupt Erwachsenenbildungs-Angebote genau in dem Bereich machen?
Die Folge wie gesagt: Scham und Trauer.
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