Jeannette Röthlisberger

Krise als Chance

Da sitzen wir nun, jeder für sich oder jede Familie isoliert in den vier Wänden. Ostern naht, aber irgendwie wird es bei mir nicht wirklich österlich. Die tägliche Flut an Informationen über das Virus beherrscht alles, die Kommunikationsflut ist riesig.

Und doch gibt es Dinge, die sich in dieser Krise in einem rasanten Tempo zu etwas Neuem geändert haben: Angefangen damit, dass die Nachbarschaftshilfe auch in anonymen Vierteln aufblüht und sich Nachbarn um ihre älteren Mitbewohner kümmern. Plötzlich nehmen wir wahr, dass diejenigen, die allgemein im Rampenlicht stehen, plötzlich nicht mehr systemrelevant sind. Es sind die Ärztinnen und Ärzte, die Fachleute in der Pflege, die Müllmänner, der Pöstler, die Rettungskräfte. Ihnen gehört plötzlich die Aufmerksamkeit, die sie – nicht nur in der Krise! – verdienen.

In den Schulen werden die Labtops hervorgeholt, und die Schulstunde findet im virtuellen Klassenzimmer statt. Schülerinnen und Schüler müssen viel Eigenverantwortung für ihren Lernfortschritt übernehmen. Eltern sind gefordert, sich mit ihren Kindern zu beschäftigen, denn sie können nicht zur Arbeit, und der Nachwuchs nicht in die Krippe.

Die Digitalisierung und Virtualisierung macht selbst vor den Kirchen und Klöstern nicht Halt. Wenn die Menschen nicht in die Kirche kommen dürfen, kommt nun die Kirche zu den Leuten. Ich kann im Livestream mit dem Papst und der ganzen Welt für die Menschen in dieser Krise beten; Klöster lassen uns teilhaben an ihren Stundengebeten und Andachten. Selbst das Donnerstagsgebet der Schwestern im Kloster Fahr wurde weltweit gestreamt. Wir wachsen digital zusammen, die virtuelle Welt hilft uns dabei, unsere sozialen Kontakte und sogar unseren Gottesdienstbesuch zu erleben.

Und so bekommt ist auch diese Krise eine Chance. Das Internet ist nicht nur eine Flut von mehr oder weniger sinnvollen Nachrichten. Es wandelt sich zum sozialen Brennpunkt. Und die Kirche, die Klöster, sie gehören schon seit jeher auch zu dieser virtuellen Welt: Sie kommen den Menschen in der Krise auf diese Weise nahe.

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Bildquellen

Youtube-Startbild mit der Schwarzen Madonna von Einsiedeln
27. März 2020 | 10:23
von Jeannette Röthlisberger
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