Kreativer Umgang mit der Tradition
Wäre Jesus Traditionalist?Provokative Frage: Würde Jesus heute den Weltkatechismus zur Grundlage seiner Verkündigung machen? Oder mit den Vorgaben des Lehramtes kreativ umgehen? So wie Walter Kirchschläger es in seinem Wiener Vortrag feststellt:
«Jesus von Nazaret ist in seinem Umgang mit der Jüdischen Überlieferung als der Tradition von der Weisung Gottes überaus kreativ und kontextbewusst umgegangen. Der Hinweis auf die neuen Thesen, wie sie in der matthäischen Bergpredigt rezipiert und erweitert sind (vgl. Matthäusevangelium 5,21-47),kann in diesem Zusammenhang genügen.»
Und weiter:»Die frühchristliche Theologie hat diese in den Evangelien bezeugte Kreativität Jesu fortgesetzt. Dabei waren sowohl Paulus als auch die anderen biblischen Verfasserinnen und Verfasser bemüht, das Christusgeschehen in ihren jeweiligen Kontext wirkungsvoll und verständlich zu formulieren, um den Menschen den Zugang zu dieser Botschaft zu vermitteln. Dies bedeutet auch ein Ernstnehmen der Kultur- und Sozialbezogenheit religiösen Denkens, religiöser Sprache und religiöser Praxis und deren Veränderlichkeit, das im Gegensatz zum Anspruch einer weltweiten Vereinheitlichung steht.»
Was den «Kontext» betrifft: Der unserige ist sicher anders als jener der von der griechischen Philosophie geprägten Konzilien. Warum dürfen nicht auch wir eine Christologie entwickeln, die für die heutigen Menschen verständlich ist?
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