Konzilsmoderatoren zwischen allen Stühlen
Die Konzilsabläufe mussten einfacher und klarer werden. Die erste Konzilssession hatte zwar viele Überraschungen möglich gemacht – aber wie sollte man zu konkreten Ergebnissen kommen? Paul VI. hatte ursprünglich vor, eine einzige Person an die Spitze des Konzils zu stellen – mit umfassenden Vollmachten und einem direkten Draht zum Papst selbst. Für diese Rolle eines «Moderatoren und päpstlichen Legaten» vorgesehen war Kardinal Suenens. Im Sommer und bis in den September 1963 wurde dieser Plan mehrfach korrigiert. Deutlich zeigt sich hier der Einfluss der unterschiedlichen Strippenzieher und «grauen Eminenzen», die Paul VI. selbst durch seine Personalentscheidungen um sich herumgruppiert hat. Wer wird sich im Spiel «Teilen und Herrschen» durchsetzen?
Als gewiefter Stratege erwies sich Kardinalstaatssekretär Cicognani. In seiner Funktion als Sekretär der Koordinierungskommission gelang es ihm, mögliche Konkurrenten in ebendiese Kommission berufen zu lassen – und sie damit gewissermassen unter seine Kontrolle zu bringen.
Die vier späteren Konzilsmoderatoren, die Kardinäle Suenens, Lercaro, Döpfner und – als konservatives Gegengewicht der Kurie – Agagianian, sassen somit zwischen drei Stühlen: Die hatten die Freiheit und die freie Rede des Konzils zu gewähren (und dessen Arbeitsfähigkeit zu gewährleisten), sie standen im Dienste des Papstes und sie mussten sich mit den Führungsansprüchen des Sekretärs der Koordinierungskommission herumschlagen.
(ab; A2, 609ff)
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