Konzilsblogteam

Konzilshermeneutik der Barmherzigkeit (II)

Konzilshermeneutisch bedeutsam ist das eben begonnene Heilige Jahr der Barmherzigkeit (vgl. Konzilsblog 17.12.2015 und 18.12.2015) in mindestens dreierlei Hinsicht.
1. Der Papst rückt die Verschränkung von Evangelium und Leben ins Zentrum der Konzilshermeneutik. Das Konzil und seine Hermeneutik stehen im Dienst dieser Evangelisierung, die letztlich ein Beziehungsgeschehen zwischen Gott und Mensch ist.
2. Der Papst schreibt das Konzil in die Geschichte der Kirche und diese in die Geschichte der Welt ein. Das Konzil und seine Hermeneutik stehen näherhin im Dienst der Mitverantwortung, die Christinnen und Christen für die immer auch zu gestaltende Geschichte der Menschheit haben. 
3. Der Papst bindet mit Verweis auf das Konzilsverständnis des heiligen Johannes XXIII. und des seligen Paul VI. das Konzil und seine Hermeneutik an die zentrale Botschaft von der Barmherzigkeit. Das Konzil und seine Hermeneutik stehen in besonderer Weise im Dienst dieser Frohen Botschaft.
Nimmt man diese drei Dimensionen zusammen, so erweist sich eine «Konzilshermeneutik der Barmherzigkeit» als Synthese der in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten erfolgten aufrichtigen Bemühungen um ein angemessenes Verständnis des Konzils und seiner Rezeption.
Ihre eigentliche Tiefendimension erhält eine solche «Konzilshermeneutik der Barmherzigkeit» aber dadurch, dass sie nicht etwa auf die wissenschaftliche Konzilshermeneutik beschränkt bleibt, sondern die gesamte Kirche in der Gestalt eines Heiligen Jahres in Anspruch nimmt. In der Tat ermöglicht es ein solches Heiliges Jahr, christliches Leben und Denken, Pastoral und Dogma, Volksfrömmigkeit und theologische Erkenntnis (vgl. Evangelii gaudium 122-126!) zusammenzubringen. Dies erfolgt näherhin dergestalt, dass durch deren wechselseitige Verschränkung jeweils beide Seiten – und in der Folge die gesamte Kirche für die Welt – in höchstem Masse bereichert werden können. Eine wechselseitige Verschränkung erfolgt ebenso, wenn Geist und Buchstabe des Konzils auf die je konkrete Barmherzigkeit hin ausgerichtet werden, die grundsätzliche Barmherzigkeit ihrerseits aber immer wieder auch konkret von Geist und Buchstabe des Konzils genährt wird.
In diesem Sinn ist die mit dem Heiligen Jahr der Barmherzigkeit eingeleitete Phase der Konzilshermeneutik im besten und umfassendsten Sinn des Wortes im Heiligen Geist von Jesus Christus her und zu ihm hin lebendige Tradition und damit ausgerichtet auf Zukunft  des Menschen im Horizont Gottes (vgl. Gaudium et spes 45).
(mq)
 
 
 
 
 

19. Dezember 2015 | 00:01
von Konzilsblogteam
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