Konzilsblogteam

Kontinuität zwischen Pontifikaten?

Derzeit wird auffällig dezidiert betont, wie sehr Papst Franziskus und Papst Benedikt in Kontinuität zueinander stehen. Nicht ein Blatt passe zwischen sie! Offenkundig ist diese zugespitzte Aussage unrealistisch und der Würde eines Menschen und eines Amtsträgers unangemessen. Niemand steht schlechthin nur in Kontinuität zu einem anderen Menschen und Amtsträger. Die katholische Amtstheologie ist sonst eigentlich gewohnt, gerade umgekehrt die Bedeutung von personalen Verantwortungsträgern und ihre Souveränität zu betonen. Deren Bindung wird oft so sehr vernachlässigt und das Regiment nach Gutdünken einzelner Amtsträger so sehr zugelassen, dass man sich gelegentlich mehr Kontinuität zwischen Vorgänger und Nachfolger und zwischen Amtsinhaber und Amtskollegen wünschen würde.
Was die Päpste angeht, kann ein historischer Rückblick entspannend wirken. Bei der Wahl des Nachfolgers für Papst Johannes XXIII. war keineswegs ausgemacht, dass der Nachfolger das Konzil weiterführen würde. Niemand stellte in Frage, dass der neue Papst dies nach seinem Ermessen entscheiden könnte. Papst Paul VI. wählte in dieser Hinsicht die Kontinuität, doch wie sich im Verlauf des Sommers 1963 zeigen wird, setzte er durchaus neue Akzente, indem er die Konzilsthemen stärker unter der Leitidee «Kirche» zu bündeln suchte. Zudem veränderte er die Leitungsstrukturen des Konzils, was sich Anfang August 1963 abzuzeichnen begann. Auch werden wir sehen, das er stärker in das Konzil intervenieren wird als sein Vorgänger.
Um noch ein weiteres entspannendes Beispiel anzufügen: Als Papst Paul VI. 1978 starb, war die Umstrukturierung der Diözesangebiete in der DDR bereits eingefädelt und unterschriftsreif – gegen die Optionen der Katholiken und kirchlichen Verantwortlichen in Ost und West und der westdeutschen Politik. Der Tod des Papstes brach den eingefädelten Prozess ab. «Johannes Paul II. nahm die Frage ohne Zögern von der Agenda» (Er 270).
Schnüren wir die Kirche nicht in falsche Kontinuitätsvorstellungen ein …
(emf)

4. August 2013 | 00:11
von Konzilsblogteam
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