Kontinuität und Diskontinuität des Handelns Gottes
Eine der weitreichendsten Fragen überhaupt, die sich mit dem Konzil letztlich stellen, betrifft das Handeln Gottes in der Geschichte. Lukas Vischer arbeitet sie mit Blick auf die im Entstehen begriffene Erklärung über die nichtchristlichen Religionen vor der vierten Sitzungsperiode heraus und zeigt dabei ihre ökumenische Tragweite auf: «Wer über das Verhältnis von Israel und Kirche nachdenkt, denkt im Grunde zugleich über das Wesen der Kirche nach. Der Umstand, dass die besondere Bedeutung des Volkes Israel in den letzten Jahrzehneten in neuer Weise Gegenstand theologischer Reflektion geworden ist, hat sich auf die ekklesiologische Diskussion in hohem Masse befruchtend ausgewirkt. Der Zusammenhang zwischen dem Israel des Alten Bundes und der Kirche konnte deutlicher werden. Das Problem von Kontinuität und Diskontinuität des Handeln Gottes konnte neu verstanden werden. Das Wesen der Kirche als aus Gnade berufenes Volk der letzten Tage konnte tiefer erfasst werden. Die Erklärung über das jüdische Volk könnte die ekklesiologische Diskussion auch in der römisch-katholischen Kirche vertiefen und neue Übereinstimmung möglich machen.»
(mq; Zitat: Lukas Vischer, Vor der vierten Session des II. Vatikanischen Konzils. In: Kirche in der Zeit 20 [1965], 338-345, 342).
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