Markus Baumgartner

Kontakte schaffen mit einem roten Sofa

Die römisch-katholische Kirche in Basel-Stadt beschreitet neue Wege, um mit den Menschen in Kontakt zu bleiben und zu treten sowie aktiv Grenzen abzubauen. Mit dem Projekt «Rotes Sofa» will sich die Kirche den Menschen nahbar machen. Das Rote Sofa ist ein Symbol für die Bewegung, dass die Kirche auf die Menschen zugeht und sich für ihr Leben, ihre Sorgen und ihre Freuden interessiert. 

Am Kleinbasler Rheinbord steht das rote Sofa. Es ist  am richtigen Ort – draussen bei den Menschen. Es bietet Ausblick auf den Rhein und das Basler Münster. «Menschen werden spontan angesprochen und eingeladen, den Alltag zu unterbrechen und auf dem Sofa Platz zu nehmen», schreibt die «Aargauer Zeitung». Das bietet Gelegenheit für ein Gespräch oder einfach, um einen Moment innezuhalten. Die Teilnahme ist absolut freiwillig und an keinerlei Bedingungen geknüpft. Das rote Sofa soll einen kleinen magischen Moment mitten im Alltag schaffen. Es überraschte die Menschen mit dem Angebot, Zeit zu haben ohne etwas zu wollen.

Pastorale Start-ups

Die Idee stammt aus dem «GründerInnenhandbuch für pastoral Start-ups». Das Ziel ist, mit kirchenfernen Menschen über ihre Wünsche und spirituelle Themen ins Gespräch kommen. «Wir haben Zeit», steht auf einem laminierten A4-Blatt. Das Zugehen auf Menschen ist in der heutigen Zeit nicht einfach. Sich aus der Komfortzone hinausbewegen braucht Mut und meist etwas Überwindung. Das wurde dafür mit einem besonderen Gefühl belohnt. Die meisten liessen sich darauf ein, wenn sie nicht gerade wirklich beschäftigt waren. 

Es gibt ein Bedürfnis der Menschen nach Überraschung, Begegnung, Kreativität und auch Wertschätzung. Der Einstieg war oft die Frage nach den Träumen: «Ich komme von der katholischen Kirche Basel Stadt. Wir sind dabei, einige Träume der Menschen zu sammeln. Hätten Sie Zeit und Lust mit mir über Träume zu sprechen?» Andere fragten nach der Befindlichkeit oder einfach, ob man auf dem Sofa einen Moment ausruhen möchte. 

Bild weiten

Es gibt viel kulturelles Leben am sogenannten Rheinbord. Als eine Hauptschlagader Basels ist es ein Lebensort an dem flaniert, gegessen und gelacht wird. Das angrenzende Kleinbasel hat multikulturelle Bewohner und Läden. In der näheren Umgebung liegt das Männerwohn- und ein Kinderheim, grosse Einkaufszentren und kleine Läden voller Besonderheiten. Das rote Sofa soll regelmässig am Rhein stehen und auch an anderen Orten seinen Platz finden, etwa in einem Spitalgarten oder auf dem Pfarreifest. Die Kirche braucht solche Projekte, damit sie das Bild von sich wieder weiten kann.

Bild rkk-bs.ch
4. Juli 2021 | 20:07
von Markus Baumgartner
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