Konzilsblogteam

Kollegialität im Garten Gethsemane

Am 8. November 1963 diskutierten die Konzilsväter über die beiden ersten Kapitel des Dokuments De episcopis. Dabei ging es auch um die Kollegialität der Bischöfe. Kardinal Ottaviani, Chef der römischen Glaubenskongregation, vertrat in seiner Rede vor den Konzilsvätern ernsthaft die Ansicht, die Apostel hätten nicht kollegial gehandelt. Mit «zähem Widerstand» gegen die «neue» Lehre von der Kollegialität der Bischöfe meinte Ottaviani gegen alles sein zu müssen, was als Schwächung des päpstlichen Absolutismus erschien.
Der dänische Lutheraner, Kristen Ejner Skydsgaard, Professor für Dogmatik an der Universität von Kopenhagen, der als Konzilsbeobachter die Diskussion mitverfolgte, sprach im Anschluss daran mit einem katholischen Priester über die Ansicht Ottavianis. Nach einem Schweigen hat dieser unbekannte Priester Skydsgaard ein kleines Bild des Gekreuzigten gegeben, auf dessen Rückseite er schrieb: «Die Apostel handelten kollegial im Garten Gethsemane, wo sie alle den Herrn im Stich liessen.» Skydsgaard vermerkt in seinen Aufzeichnungen, dass sich hinter dieser Eingebung eine tiefe Wahrheit befinde, denn ohne die Dimension der Verweigerung, des Scheiterns und des Kreuzes sowie der Auferstehung, des Beschenktseins, der grundlosen Liebe Gottes, werde das Geheimnis der Kirche nicht verstanden.
(Giancarlo Collet)

11. November 2013 | 00:03
von Konzilsblogteam
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