Klitzekleine Ausnahme
So grässlich die Fasnacht für mich Jahr für Jahr ist, in unerfreulicher Art sogar mit zunehmendem Alter Brechreiz-steigernd, so möchte ich hier doch berichten, dass ich beim blossen Herumzappen am TV auf ein Quentchen Schönheit und Niveau gestossen bin, das es anscheinend doch ganz gelegentlich gibt:
Da ward aus der Kölner Oper eine Art Fasnachtsaufführung gezeigt. Das Bühnenbild war eindeutig «Die lustige Witwe», die Mehrzahl der Melodien, Arien, Duette und Chöre dito. Eingestreut war aber auch anderes, so «Ich bin von Kopf bis Fuss» aus dem «Blauen Engel» und «Männer» von Grönemeier.
Da hatte jemand (ein Herr namens Kalle Kubik – gemäss meinen Recherchen) unglaublich liebevoll das Libretto der «Lustigen Witwe» im dicksten Kölner Dialekt umgeschrieben, da wurden auch alle Damenrollen von Herren gespielt (Hanna Glawari als Transvestit, so herrlich, und er/sie tanzte wirklich mit dem zu Daniel mutierten Danilo den «Lippen»-Walzer, ich fiel vor Begeisterung vom Stuhl), da wurde in der Tenorlage bestens gesungen, und da war ein Theaterpublikum, das wusste, wie man sich benimmt. Keine langen Tische voll des Alks und Ulks, sondern einfach gutes ironisches Theater.
Hut ab! Das muss ich um der Ehrlichkeit willen zugestehen.
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.


