Kleingedrucktes für später: zum Endspurt für Gaudium et spes
Die Zeit drängte, das Konzil musste die Arbeit an vielen wichtigen Texten beenden und für die Debatte von Gaudium et spes blieb nicht viel Zeit. Typisch für Dauerverhandlungen ist auch das Moment der Ermüdung. Die Widerstände werden schwächer, die Bereitschaft zur Hinnahme nicht ganz fertiger Ideen und Texte wächst.
Zumindest was die Position der deutschen Bischöfe anging, kann man in der Rückschau davon sprechen, dass die massiven Einwände, die es noch gab, nicht mehr mit viel Nachdruck vorgetragen wurden. Eher schien es, als wollte Kardinal Döpfner auf die Nachkonzilszeit vertrauen, um notwendige inhaltliche Klärungen zu erreichen. Jetzt, im September 1965, sollte der Konsens der Konzilsmehrheit nicht mehr unnötig strapaziert werden. Döpfners Methode der Wahl: Kritikpunkte wurden ins ‹Kleingedruckte›, in den Fussnotenapparat seiner Rede, gesteckt.
Dennoch gab es Opposition gegen den Text, eine Opposition allerdings, die mit unterschiedlichen und widersprüchlichen Argumenten auftrat und letztlich die Komplexität des Anliegens von Gaudium et spes widerspiegelte.
Da war vor allem die Kritik aus nicht-westlichen Ländern, die sich in der optimistischen Sichtweise bezüglich des Fortschritts und der Freiheit nicht wiederfinden konnte. Aber auch andere Punkte wurden moniert. Es ging um «die Länge des Schemas (…), seine zahlreichen Wiederholungen (…), seine schreckliche Übersetzung ins Lateinische (…); seinen Stil, den einige befürworteten (…), andere hingegen verbessert sehen wollten. Wieder andere wünschten sich eine grössere Einheitlichkeit des Textes oder die Klärung bestimmter Begriffe usw. (…) Die Frage der Adressaten des Textes wurde ebenso angesprochen (…)» Und nicht zuletzt waren unterschiedliche philosophische Vorlieben und theologische Optionen Grund zur Kritik von der einen oder anderen Seite. – Es bleibt zäh.
(ab, A5: 155ff.)
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