Kleinere und eine dramatische Panne
.. in meinen Ostergottesdiensten
Kleinere oder grössere Pannen kommen in Gottesdiensten bisweilen vor, besonders wenn viele beteiligt sind. Doch so viele Pannen wie in den beiden Ostergottesdiensten dieses Jahres habe ich wohl seit der Priesterweihe (1971) kaum aufs Mal erlebt.
Jene drei am Samstag im Pflegeheim waren selbstverschuldet. Es begann damit, dass ich das Gedicht, das ich für die Einleitung brauchte, falsch ausgedruckt hatte. Nach der Lesung habe ich zwar eine gewöhnliche Stille eingeplant. Doch nach 20 Sekunden rief ein Betagter: «Ist er eingeschlafen?» Dann aber zog sich die Stille dahin. Ich wartete auf das Zwischenspiel der Organistin und sie wartete darauf, dass ich ein Lied ansagte. Als ich dann am Ambo stand, merkte ich, dass ich das Lektionar nicht mitgenommen hatte.
Am Sonntag hier im Kloster: Der Ministrant, der zugleich Sakristan ist, bringt mir eine leere Schale. Er überhört, dass ich ihn in die Sakristei schicke, um die Hostien zu holen und bringt mir Wein und Wasser. Ich schicke die Lektorin, die seit 30 Jahren bei uns wirkt. Sie findet die Hostien nicht. Der Ministrant geht in die Sakristei. Derweil hoffe ich, dass das recht lange Orgel- und Flötenspiel andauert, bis die Hostien eingetroffen sind. War nicht der Fall. Es entsteht eine peinliche Stille. Damit die Leute nicht meinen, ich sei völlig gaga, muss ich etwas sagen. Ich möchte nicht den Ministranten blossstellen (»er hat vergessen …). So sage ich: «In der Bibel heisst es: ‹Sie haben keinen Wein mehr.» Wir aber haben kein Brot …»
Nach dem Einsetzungsbericht wird’s dramatisch. Ich höre, wie etwas neben mir auf den Boden plumpst. Und sehe etwas Weisses am Boden liegen. Es ist einer der Ministranten, der wie eine Stange umgefallen ist. Nach ganz kurzer Zeit bemüht sich Daniel E., ein Arzt aus unserem Quartier, um ihn. Und Nullommaplötzlich ist auch seine Frau Renate, eine unserer Pflegefachfrauen bei ihm. Sie hatte auf der Empore den Gottesdienst mitgefeiert. Die beiden nehmen den Patienten ins Innere Chor. Nach einer gebührenden Stille sage ich, er sei in guten Händen, da ein Arzt und eine Pflegefachfrau sich um ihn kümmern.
Während des Schlussliedes gehe ich zum Patienten und seinem Pflegepersonal. Dann kann ich das Gesundheitsbulletin durchgeben, um Spekulationen vorzubeugen: «Nicht Schlimmes. Der junge Herr hatte eine Grippe und heute kaum gefrühstückt.»
Ich möchte es nicht unterlassen, dir, liebe Renate, und dir, lieber Dani, für euren so schnellen fachkundigen Einsatz herzlich zu danken.
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