«Kleider machen Leute»
Wie sehr das Selbstverständnis der Bischöfe bzw. das Verständnis des Bischofsamtes innerhalb der Kirche an Kontur gewonnen haben, zeigte Leonidas Proaño.
Leonidas Proaño war jener Bischof, der an Stelle der kirchlichen Amtskleidung den Poncho, das Gewand der Armen, trug und damit ein Zeichen setzte, wem er sich zugehörig sah: Der Bischof im Poncho wollte sich auf die Seite der Armen und Verachteten stellen, die Stummen reden lehren. Für den ecuadorianischen Bischof der Indios war das 2. Vatikanische Konzil eine einschneidende Erfahrung, die sich in seinem Leben und seiner Arbeit als Hirte der Diözese auswirkte. «Persönlich traf mich das Konzil tief, als ich sah, wie die Kirche eine Antwort auf die grossen Fragen der modernen Welt suchte. Die Kirche wollte sich von der herkömmlichen Pyramidalstruktur zu einer gemeinschaftlichen Kirche bekehren … Wir machten einen Schritt, um von der hierarchischen Kirchenstruktur zu einer Kirche als Gemeinschaft zu gelangen. Ich persönlich zog aus dem Bischofshaus aus und begann im Exerzitienhaus Santa Cruz zu wohnen und dort in einer kleinen Gemeinschaft zu leben.» Die Inspiration dafür fand Proaño übrigens in der Gemeinschaft von Taizé, deren Prior, Frère Roger Schutz, er auf dem Konzil kennenlernte und seitdem mit ihm freundschaftlich verbunden war. Dieses Haus in der Nähe von Riobamba wurde zu einem über die Landesgrenzen hinaus bekannten Treffpunkt reformfreudiger kirchlicher Kräfte.
(Giancarlo Collet)
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