Kirchliche Gehirnwäsche ?
Ob es sie wohl gibt: Die immer wieder einmal angenommene Gehirnwäsche katholischer Würdenträger, wenn diese nach Wahl/Ernennung und Weihe plötzlich nach rechts kippen und unvermutet schnell an Amnesien zu leiden beginnen, was ihre früheren Überzeugungen und Äusserungen betrifft?Ich glaube nicht, ich rechne hier weder mit einem überraschenden Eingreifen einer Heiligen Geistkraft konservativer Prägung noch mit irgendwelchen drastisch nachwirkenden Drohungen römischer Beamter in der Bischofskongregation. Ich glaube vielmehr, dass es um einen Mangela) entweder an Charakter und Rückgrat (das ist schlimm) oderb) an der Bereitschaft, klar Stellung beziehen zu können/wollen (das ist nicht schlimm, aber macht Menschen unberechenbar)geht, der diese Persönlichkeiten schon immer geprägt hat , und dass solcher Gesinnungswandel bei den Menschen, die ihnen nahe standen, absehbar war.
Es ist doch so, dass viele von uns gerne «lieb Kind» sind, dass wir darum gerne das (nach)plappern, was von uns erwartet wird. Hören wir doch einmal herein in manche Hochzeits- und Trauerpredigten, in denen der/die Prediger/in nur das Eine im Sinn hat: Den Anwesenden das zu sagen, was diese auch hören wollen. Beobachten wir das Verhalten von uns in etwas härteren theologischen oder pastoralen Gesprächen mit sich engagierenden Laien: Wir wollen sie nicht verärgern oder vor den Kopf stossen, und sagen gerne einmal auch zu sehr fragwürdigen Meinungen und Thesen: Kann auch sein – Ist möglich – Ist eine Sicht der Dinge …
Umgekehrt – und das lasse ich bei Papst Benedikt voll gelten – gilt auch der alte Satz, dass wer in der Jugend nicht links war, seine Jugend wohl verpasst hat, wer aber im Alter immer noch gleich links steht, wohl nie erwachsen geworden ist. Ich entdecke in den Aussagen des Papstes, dass ihn die 68er-Bewegung stark geprägt hat, dass sie der auslösende Faktor für seine im Alter immer stärker zunehmende Skepsis gegenüber der Moderne und ihrer lebenszerstörenden Ideologie geworden ist. Dass die Professoren, die damals den Studenten nach dem Maul geredet haben, einen anderen Weg gegangen sind, überrascht nicht. Welches wohl die Wahrheit ist, kann nur der Betroffene selber in einem forum internum mitteilen.
Conclusio. Was zählt, ist nur eines: Glaubwürdigkeit! Wasser predigen und Wasser trinken oder Wein predigen und Wein trinken: Beides ist möglich. (PS: Darum überzeugt Gaillot, darum überzeugen viele andere prominente Kirchenkritiker nicht.) Und wenn dann noch der kategorische Imperativ ein Leben lang durchgehalten wird: Chapeau.
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