Hans Leu

Kirchliche Basis-Erfahrung (2)

Das «settlement» Kalkfeld in der Otjozondjupa-Region / Namibia 70 km suedwestlich von
Otjiwarongo ist «situated in the middle of nowhere». Etwa jede 6. Woche geh’ ich dorthin
um die Eucharistie zu feiern; fuer mich auch eine Chance zu erspueren was an der kirchlichen
Basis geschieht. Wie das verzierte Restholz gefaerbt erscheint.
Die Homilie am Sonntag der Verklaerung Jesu gab den Mut, den Blick immer wieder auf
Jesus zu werfen. Nach dem «Credo» die holpringen «Fuerbitten». Keine Buchvorlage, die Personen
sprechen direkt und «selbstverfasst». Es sind unkompliziert gedaempfte frei-schwebende Aeusserungen.
Sie machen dem Herrgott klar, was von ihm erwartet wird. Das unglaeubige Dunkel in der Stimme
zeigt die Erfahrung, dass der Herrgott in keinem Falle Hilfe gewaehren wird. Aber es gehoert zum
Kath. Glauben, dass man den Mut hat, es wenigstens ihm zu sagen.  Dass ER machen wird,
was ER will, das ist schon klar.
Die Kollekte ist «hoch»: 10 Spender/innen kommen auf N$ 65.-
Die mysterioese Gabenbereitung auf dem Altartisch wird mit einem Lied ueberdeckt.
Das Hochgebet ist die Kunst der Sprache jene christliche Lebens-Auffassung in verstaendliche
Worte zu fassen, die jeden Verstand zur Hingabe aufbrechen laesst. Das «Geheimnis des Glaubens»
ist wie die Tabor-Wolke in der wir zelten moechten aber eben ins Tal der Wirklichkeit verwiesen
werden. Das «Grosse Amen» bestaetigt das Unverstandene und laesst dann vom frommen Nicht-
Verstehen aufstehen; im Vertrauen, dass das gefeierte Geheimnis irgendwie doch stimmen wird.
Im «Vater-Unser» ist man einig; fuehlt sich stark; im Friedensgruss darf man sich endlich bewegen
von einem zum andern; es ist eher eine Anerkennungs-Geste: Friede ist fremd.
Das «Lamm Gottes» vertieft melodisch die Kath. Satisfaction-Lehre; aber niemand merkt es.
Die «Kommunion» ist etwas fuer die Aufrechten, die das Leben noch nicht zum Suender
gebodigt hat; etwas fuer die Aufrechten im Schlamm des Lebens.
Nach der spaerlichen Ankuendigung von Info’s entlaesst uns der Segen mit der unglaublich
kostenlosen Versicherung: «Wenn ihr nun geht vergesst nicht: der Herr geht mit euch».

Draussen dann vor der Kirche kommen wir ins Gespraech. Grundton: wie schwierig das taegliche
Leben! Zu muede zum Aufstehen und vielleicht bringt  der praktizierte Glauben Aufhellung ?

Nach 3 Stunden «Kalkfeld» fahren wir 4 zurueck. Vielleicht ist es mir hier nun gelungen , die Kath.
Kirche an der Basis zu beschreiben- damit es alle wissen, die Katholisch sind…
soo hab’ ich sie erlebt am 12.03.2017 in Kalkfeld / Namibia.
Ohne die Kirche waere die Situation wohl noch hoffnungsloser, mit ihr aber recht verkehrt.
Vom «Tag der Hoffung und der Freude» im Reformationsgedenkjahr 2017 kommt noch kein
Windchen nach Kalkfeld; von «viri probati» als gegenwaertige fuer die Gemeinde seelsorgende
Priester keine Ahnung; kein animierender Bruder-Klaus und das paepstliche «Guten Abend»
vor vier Jahren gibt keine Hoffnung – nach dem Untergang der Sonne.

16. März 2017 | 20:24
von Hans Leu
Lesezeit : ca. 2  Min.
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