Kirchfahrt oder Kirchgang?
Ohne Auto zur Kirche..(Aus meinem NZN-Glossenbuch «Rosen vom Kilimandscharo»)
Es ist eigenartig: Dass der Kirchenbesuch die Umwelt belastet, wurde noch kaum jemandem bewusst. Denn aus sehr vielen «Kirchgängern» sind «Kirchfahrer» geworden. Bekanntlich verschmutzt ein Auto die Umwelt in gleicher Weise, ob seine Insassen zu einer Kirche oder in eine Disco fahren…Wie wichtig autofahrende Gottesdienstteilnehmer sind, erfuhr ich kürzlich. Ich hatte in einer Pfarrei die Sonntagspredigten zu halten. Vor der 10-Uhr-Messe mahnte mich der Pfarrer: «Du darfst in diesem Gottesdienst nicht lange predigen. Denn der Parkplatz muss rechtzeitig frei werden für jene, die in die 11-Uhr-Messe kommen!» So sympathisch kurze Predigten sind, so unsympathisch ist es dennoch, wenn das Auto die Länge des Gottesdienstes bestimmt.Es geht mir hier nicht darum, das Auto zu verteufeln. Noch viel weniger möchte ich den logischen Schluss ziehen: Wenn Leute, die im Auto zur Kirche kommen, ihren Beitrag zum Waldsterben leisten, sollen sie gescheiter zu Hause bleiben. Es gibt ja noch die Alternative, dass auch Gottesdienstbesucher ohne Auto mobil sind. Früher waren sie es in aller Selbstverständlichkeit. Auf dem Lande wurde selbst Erstklässlern ein halbstündiger Kirchweg zugemutet. Nachdem inzwischen ihre Beine länger geworden sind, ist ihnen auch ein kürzerer Weg noch zu weit. So fahren sie denn im Auto sowohl auf den Parkplatz vor der Kirche wie zum Fitness-Center. Einen körperlichen Ausgleich zu ihrer sitzenden Lebensweise müssen sie doch haben.Früher war der Weg zur Kirche für viele nicht nur strapaziöser. Er war auch gemütlicher, nämlich ein gemeinsamer Spaziergang von Nachbarn. Heute reicht es vielleicht noch zu einem flüchtigen Gruss zwischen Einsteigen und Türezuschlagen. Wenn die «Kirchfahrer» wieder «Kirchgänger» würden, spürten sie vielleicht, dass der Verzicht auf das bequeme Fortbewegungsmittel nicht bloss ein «Opfer» wäre. Sie kämen auch zu etwas mehr Lebensqualität in Form eines Gemeinschaftserlebnisses. Und mit Gemeinschaft hat ja die Eucharistiefeier nicht wenig zu tun!
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