Walter Ludin

Kirchenaustritte

Mutige Worte zu ihren UrsachenDem österreichischen Kirchenvolksbegehren Wir-sind-kirche.at verdanken wir öfters mutige, wegweisende Worte zur Lage der Kirche. Z.B.:
Eine Kirchenleitung, die Übergriffe indirekt duldet, Bischöfe ernennt ohne die Betroffenen einzubinden, die weiterhin trotz des zunehmenden Priestermangels und der Existenzbedrohung der Pfarrgemeinden am Pflichtzölibat ohne wenn und aber festhalten will, die Frauen ausschließlich wegen ihres Geschlechts, Geschiedene und wieder verheiratete oder homosexuell lebende Menschen generell weiterhin diskriminiert, verletzt nicht nur Menschenrechte sondern verliert das Vertrauen der Menschen. Unverständliche, rigoros und gefühllos vorgetragene, lust- und lebensfeindliche Moralprinzipien, welche die Einzelperson und ihre Gewissensentscheidung nicht ernst nehmen, schaffen Distanz zwischen der Kirchenleitung und den Menschen.
Seit Beginn der konservativen Wende in Österreich, seit der Ernennung Hanns Hermann Groers zum Erzbischof von Wien (1985), haben rund 1 Million Menschen der katholischen Kirche den Rücken gekehrt. Aus den jährlichen Beteuerungen, um jeden Austritt tue es der Kirchenleitung Leid, werden keinerlei praktische Konsequenzen gezogen, und sie sind daher wenig glaubwürdig.
Eine ernstzunehmende Ursachenforschung über die Motive der Kirchenaustritte und die Bereitschaft, diese ernst zu nehmen und darauf wirkungsvoll zu reagieren, fehlen weitgehend. Die Kirchenleitung tröstet sich mit der kleinen Herde und ruft die verbliebenen Gläubigen zur verstärkten Mission auf. Diese geht aber unweigerlich ins Leere ohne eine Botschaft, die biblisch orientiert, verständlich und zeitgemäß ist sowie sich als spürbar hilfreich im Leben erweist. Genau einen solchen Ausdruck des Glaubens jedoch verhindert die Kirchenleitung. «Wir sind Kirche» unterstützt daher all jene, die ihrem Gewissen folgen und selbstbewusst und eigenverantwortlich ihren zeitgemäßen Glauben zu leben versuchen.
Für den Vorstand der Plattform «Wir sind Kirche»: Hans Peter Hurka und Mag. Gotlind Hammerer

26. Januar 2011 | 01:02
von Walter Ludin
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