Kirche und Welt – Lernen vom Weltkirchenrat
Kardinal Suenens von Mecheln-Brüssel hatte den Auftrag übernommen, einen neuen Entwurf des noch immer namenlosen Schemas zu erarbeiten. Er hatte längst schon eine Gruppe hochkarätiger Theologen organisiert, die sich nun, vom 6. bis zum 8. September 1963 an die Arbeit machten, unter ihnen Philips, Delhaye, Rahner und Congar, der hier eine prägende Funktion einnehmen sollte. Die Diskussionen um einen neuen Entwurf können im Nachhinein als theologiegeschichtliche Sternstunden gewertet werden. Hier suchte die theologische «Champions-League» nach einer Lösung.
Prägend wurde für den Textentwurf von Mecheln eine ökumenische Lernerfahrung von Yves Congar. Dieser erinnerte an die dritte Generalversammlung des Weltkirchenrates, 1961 in New Delhi. Dort habe man sich an einer Triade von Grundfunktionen der Kirche orientiert, die nun auch in den Textentwurf für das Schema XVII aufgenommen werden sollte: martyria (Zeugnis), diakonia (Dienst) und koinonia (Gemeinschaft). Diese Beobachtung ist nicht zuletzt deswegen interessant, weil sich hier einmal mehr zeigte, dass die katholische Kirche auf dem Konzil etliche Fragen zu beantworten versuchte, durch die sich auch die anderen Kirchen längst herausgefordert sahen. Die Veränderungen in der Welt in der Mitte des 20. Jahrhunderts liessen keine christliche Konfession unberührt. Gerade in den Fragen der Beziehung der Kirche zur Welt und damit auch in der Frage des Missionsverständnisses der Kirche und nicht zuletzt in der Frage des Verständnisses der Offenbarung zeigte sich während des Konzils ein grosses Mass an ausgesprochener oder unausgesprochener Parallelität der Lösungsansätze und Neuorientierungen in vielen christlichen Kirchen.
(ab; A2, 506f)
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