Kirche der Armen
Heute vor 45 Jahren: Papst Paul VI. bereist Kolumbien und wendet sich in San José de Mosquera an ca. 200’000 versammelte Kleinbauern, Tagelöhner und Landarbeiter aus verschiedenen Regionen Lateinamerikas.
«Ihr seid ein Zeichen, ein Abbild, ein Mysterium der Präsenz Christi. […] Ihr seid […] ein Sakrament, das heisst ein heiliges Abbild des Herrn in der Welt, ein Widerschein, der sein menschliches und göttliches Antlitz repräsentiert und es nicht verbirgt. […] Die ganze Tradition der Kirche erkennt in den Armen das Sakrament Christi».
Das Anliegen einer Kirche der Armen, das auf dem Konzil von einer Gruppe von Bischöfen vertreten worden war, hatte in die Konzilstexte zwar Eingang gefunden, jedoch nicht mit der Entschiedenheit, wie sie von Bischöfen wie Dom Helder Camara oder Giacomo Lercaro gewünscht worden war. Vor allem blieben die von den Bischöfen des sogenannten Katakombenpaktes gewünschten konkreten Zeichen und Entscheidungen aus.
Immerhin hält LG 8 fest:
«Wie aber Christus das Werk der Erlösung in Armut und Verfolgung vollbrachte, so ist auch die Kirche berufen, den gleichen Weg einzuschlagen […] Christus wurde vom Vater gesandt, ‹den Armen frohe Botschaft zu bringen, zu heilen, die bedrückten Herzens sind› (Lk 4,18), ‹zu suchen und zu retten, was verloren war› (Lk 19,10). In ähnlicher Weise umgibt die Kirche alle mit ihrer Liebe, die von menschlicher Schwachheit angefochten sind, ja in den Armen und Leidenden erkennt sie das Bild dessen, der sie gegründet hat und selbst ein Armer und Leidender war».
Entsprechend hält Paul VI. am 23. August 1968 als Selbstverpflichtung fest: «Wir selbst werden innerhalb unserer ökonomischen Möglichkeiten versuchen, ein Beispiel zu geben und in der Kirche ihre besten Traditionen an Selbstlosigkeit, Grosszügigkeit und Dienst wiederzubeleben, indem wir uns immer mehr jenen Geist der Armut in Erinnerung rufen, den uns der göttliche Meister gepredigt und an den uns das ökumenische Konzil mit Autorität erinnert hat».
(emf; Zitate nach: Kurt Appel; Sebastian Pittl: Das Konzil am Grab. Das Grabmal Pauls VI. und der «Pakt der Katakomben» als Verständnishilfen für den ästhetischen Perspektivenwechsel des Konzils. In: Jan-Heiner Tück (Hrsg.): Erinnerung an die Zukunft. Das Zweite Vatikanische Konzil. Freiburg i.Br.: Herder, 2012, 303-316, 306.308).
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